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Deutschlands Verwaltung baut ihre digitale Arbeitswelt um.

OpenAmt macht Zusammenhänge dieses Wandels am Beispiel von openDesk nachvollziehbar – der öffentlich finanzierten Open-Source-Alternative zu Microsoft 365 für die öffentliche Verwaltung.

Öffentliche Quellen · Über 50 Leitfragen · Kontinuierlich aktualisiert

Deutschlands Verwaltung sucht Alternativen

Der Bund gab 2025 481 Mio. € für Microsoft-Lizenzen aus. Gleichzeitig entstehen öffentlich finanzierte Open-Source-Alternativen und eigene Migrationswege.

Beispiele dafür sind openDesk als alternative Office- und Kollaborationssuite und Schleswig-Holsteins Weg zum „Digital Souveränen Arbeitsplatz“.

OpenAmt dokumentiert diesen Wandel.

Software ist nur ein Teil der Transformation

Mit der Entscheidung für eine neue Arbeitsumgebung beginnt die eigentliche Veränderung erst. Prozesse, Gewohnheiten, Zuständigkeiten und vorhandenes Wissen müssen neu zusammenspielen.

Migration ist deshalb mehr als die Einführung einer neuen Software.

Zwischen Entscheidung und Arbeitsalltag

Wie digitale Souveränität politisch und technisch gestaltet wird, ist umfangreich dokumentiert. Weniger sichtbar ist, was bei der Umsetzung in den Verwaltungen passiert.

OpenAmt betrachtet diese Zusammenhänge am Beispiel von openDesk – und verbindet System-, Entscheidungs-, Prozess- und Alltagsebene.

Wie tief möchtest du einsteigen?

Einstieg & Kontext

openDesk, digitale Souveränität und Abhängigkeit

1.1

Was ist openDesk und wer entwickelt es?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

openDesk ist eine Open-Source-basierte Office- und Kollaborationssuite, die als Alternative zu Microsoft 365 für die deutsche öffentliche Verwaltung entwickelt wurde. Sie bündelt bewährte Open-Source-Tools unter einer Oberfläche. Verantwortlich ist das ZenDiS (Zentrum für Digitale Souveränität), eine GmbH des Bundes, im Auftrag des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS; bis 2025 des BMI).

Detail-Antwort

openDesk baut auf dem „Souveränen Arbeitsplatz” auf, einer Initiative des Bundesministeriums des Innern (BMI). Seit Januar 2024 verantwortet das ZenDiS die Weiterentwicklung. Version 1.0 wurde im Oktober 2024 auf der Smart Country Convention vorgestellt.

Die Suite vereint folgende Komponenten: Open-Xchange (E-Mail, Kalender, Kontakte), Nextcloud (Dateiverwaltung), Collabora Online (Dokumentenbearbeitung), Element/Matrix (Chat), Jitsi (Videokonferenzen), OpenProject (Projektmanagement), XWiki (Wiki/Wissen), Notes (Notizen), CryptPad (verschlüsselte Diagramme), ein Whiteboard (seit Version 1.19) und Univention/Nubus (Identitätsmanagement, Single Sign-On).

Das Besondere: openDesk ist modular – jede Komponente ist ein eigenständiges Open-Source-Produkt. Die Suite läuft webbasiert im Browser und ist als SaaS (gehostet bei STACKIT) oder On-Premise (im eigenen Rechenzentrum) verfügbar. Den Betrieb hat ZenDiS 2024 per Rahmenvertrag zunächst für zwei Jahre an B1 Systems als Generalunternehmer vergeben; seit September 2026 kommen über ein Partnerprogramm weitere Anbieter hinzu.

Rund 100.000 Verwaltungsarbeitsplätze sind mit openDesk ausgestattet (Deutsche Rentenversicherung, Stand Juli 2026). Seit September 2026 öffnet ZenDiS den Vertrieb mit einem Partnerprogramm auch für private Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister.

Im Oktober 2025 kündigte der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag an, auf openDesk umzustellen (laut Medienberichten rund 1.800 Arbeitsplätze) — ausgelöst durch die US-Sanktionen gegen den damaligen Chefankläger, in deren Folge sein dienstliches Microsoft-Konto abgeschaltet wurde; wie genau, ist umstritten (→ B.12). Der ICC ist damit zum Katalysator der europäischen Souveränitätsdebatte geworden: nicht als Auslöser der deutschen Initiative (die 2019 begann), sondern als internationaler Beleg ihrer Notwendigkeit. (Details → B.12)

Notizen

  • Vorgängerprojekt war Dataports „Phoenix” (dPhoenixSuite), das aber nie unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht wurde — Mehr zur dPhoenixSuite → B.1
  • Die Schweizer Bundesverwaltung hat den PoC BOSS abgeschlossen und im September 2026 ein Folgeprogramm für rund 3.000 Beschäftigte ab Ende 2027 gestartet
  • Internationaler Strafgerichtshof stellt auf openDesk um (angekündigt Okt. 2025)
Quellen (15)
1.2

Was ist digitale Souveränität – und warum ist sie für Deutschland wichtig?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Digitale Souveränität bedeutet, dass der Staat die Kontrolle über seine IT-Systeme, Daten und digitale Infrastruktur behält – ohne von einzelnen Technologieanbietern oder anderen Staaten abhängig zu sein. Für Deutschland ist das kritisch, weil die gesamte öffentliche Verwaltung fast vollständig von Microsoft abhängt.

Detail-Antwort

Die Berliner Open-Source-Strategie definiert vier Dimensionen digitaler Souveränität (das ist ein Landesdokument Berlins — nicht der Bundesbeschluss von 2020):

Technologische Souveränität – Fähigkeit zu entscheiden, welche Technologien eingesetzt werden, ohne durch fehlende Kontrolle behindert zu werden.

Handlungssouveränität – Fähigkeit, Funktionen der eingesetzten Software jederzeit dem Bedarf anzupassen oder den Anbieter zu wechseln.

Daten-Souveränität – Kontrolle darüber, welche Daten wo gespeichert werden, wer darauf zugreift und wie sie verwendet werden.

Regulatorische Souveränität – Fähigkeit, eigene rechtliche Rahmenbedingungen für den Einsatz digitaler Technologien durchzusetzen.

Wichtig: Digitale Souveränität ist nicht gleich Autarkie – es geht um Kontrolle und Resilienz.

Warum das jetzt dringlich ist: Die geopolitische Lage (Trump-Administration, CLOUD Act, Strafzölle) hat die Debatte verschärft. Der US CLOUD Act ermöglicht US-Behörden Zugriff auf Daten, die bei US-Unternehmen liegen – auch wenn die Server in Europa stehen. ZenDiS-Chefin Jutta Horstmann (bis April 2025) nannte digitale Souveränität „alternativlos” und eine „Staatsaufgabe”. Der IT-Planungsrat definierte bereits 2021 drei Ziele: Wechselmöglichkeit, Gestaltungsfähigkeit, Einfluss auf IT-Anbieter.

Notizen

  • Dänemark hat als Reaktion auf Trump/Grönland-Krise den Microsoft-Ausstieg im Digitalministerium eingeleitet
  • Bitkom-Umfrage (Jan. 2025): 81 % der Unternehmen sehen sich abhängig von digitalen Importen aus den USA; 17 % der importierenden Unternehmen wären ohne diese Importe höchstens sechs Monate überlebensfähig
Quellen (4)
1.3

Wie kam der Ball ins Rollen? Warum jetzt?

Kurz-Antwort

2019 beauftragte das BMI eine strategische Marktanalyse (PwC Strategy&), die kritische Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern aufzeigte. 2021 beschloss der IT-Planungsrat eine Souveränitätsstrategie. Im Dezember 2022 wurde ZenDiS gegründet. Seit 2024/2025 verleihen geopolitische Spannungen dem Thema massive Dringlichkeit.

Detail-Antwort

Chronologie:

  • 2019: BMI gibt PwC-Marktanalyse in Auftrag → Ergebnis: „Anbieter nutzen Angebotsmacht zu ihrem Vorteil, Anforderungen nach Informationssicherheit werden nicht adressiert.”
  • 2019/2020: Dataport startet das Phoenix-Projekt (Projektstart 2019, erste öffentliche Kommunikation 2020) als ersten Versuch eines souveränen Arbeitsplatzes
  • 2021: IT-Planungsrat verabschiedet „Strategie zur Stärkung der Digitalen Souveränität”
  • Dez. 2022: Gründung des ZenDiS als GmbH des Bundes
  • Jan. 2024: ZenDiS übernimmt die Fortentwicklung von openDesk und openCode vom BMI
  • Okt. 2024: openDesk 1.0 veröffentlicht
  • 2025: Geopolitischer Druck verschärft Debatte massiv; der Koalitionsvertrag verankert den Deutschland-Stack als gemeinsames technisches Fundament der Verwaltung
  • März 2026: IT-Planungsrat beschließt den Deutschland-Stack verbindlich (Standards + Plattformkern); openDesk läuft parallel als eigenes Vorhaben „Souveräner Arbeitsplatz” weiter

Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt (SPD) nannte openDesk 2023 „die geladene Pistole, die wir bei Verhandlungen mit Microsoft auf den Tisch legen.”

Notizen

  • Das Schmidt-Zitat zeigt die Doppelrolle von openDesk: nicht nur Alternative, sondern auch Verhandlungshebel gegenüber Microsoft
  • Die Modernisierungsagenda gibt als Ziel vor: Bis Oktober 2028 soll eine souveräne Alternative zur Verfügung stehen
Quellen (5)
1.4

Was kostet Abhängigkeit von Microsoft konkret?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Die Microsoft-Ausgaben der unmittelbaren Bundesverwaltung sind laut Medienberichten über Antworten der Bundesregierung von rund 44 Mio. € (2015) auf rund 205 Mio. € (2024) gestiegen; eine erweiterte Berechnung (inkl. mittelbarer Verwaltung und Zuwendungsempfängern) weist für 2024 rund 348 Mio. € und für 2025 über 481 Mio. € aus. Gesamtausgaben für Software-Lizenzen aller Ressorts: über 1,2 Mrd. € (2023). Hinzu kommen: Datenabfluss durch Telemetrie, US CLOUD Act-Risiko, Lock-in durch proprietäre Standards.

Detail-Antwort

Geld:

  • 2015–2021: Microsoft-Ausgaben des Bundes fast verfünffacht
  • 2022: Software-Lizenzen gesamt ca. 771 Mio. €
  • 2023: Software-Lizenzen gesamt über 1,2 Mrd. €
  • 2024: Microsoft allein ca. 205 Mio. € (unmittelbare Bundesverwaltung); nach erweiterter Berechnung rund 348 Mio. €
  • 2025: Microsoft allein über 481 Mio. € (erweiterte Berechnung inkl. mittelbarer Verwaltung; +38 % gegenüber 2024 auf gleicher Berechnungsbasis)
  • Die exakten Gesamtkosten bleiben teilweise geheim – „aus Gründen der nationalen Sicherheit”

Gegenbeispiel SH: 9 Mio. € einmalige Migrationskosten → bereits 15 Mio. € Einsparungen an Lizenzkosten.

Daten: Telemetriedaten fließen aus Microsoft-Produkten ab. Der US CLOUD Act erlaubt US-Behörden Datenzugriff auch auf in Europa gespeicherte Daten.

Flexibilität: Lock-in-Effekte durch proprietäre Standards, enge technische Verzahnung, hohe Umstellungskosten. Die Berliner Open-Source-Strategie beschreibt den „anbieterseitigen Zwang” als „schwerwiegenden Grund” für den Umstieg.

Quellen (4)
1.5

Was ist der Unterschied zwischen openCode und openDesk?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

openCode ist eine Plattform (GitLab-basiert), auf der die öffentliche Verwaltung Open-Source-Quellcode austauscht – vergleichbar mit GitHub für den Staat. openDesk ist ein fertiges Produkt: eine Office-Suite zum Arbeiten. Beide werden vom ZenDiS betrieben.

Detail-Antwort

openCodeopenDesk
Was ist es?Entwicklungsplattform (GitLab-Instanz)Office- & Kollaborationssuite
Für wen?Entwickler:innen, IT-DienstleisterAlle Mitarbeitenden in Behörden
ZweckCode teilen, gemeinsam entwickelnTägliche Büroarbeit
Vergleichbar mitGitHub/GitLabMicrosoft 365

Zusammenhang: openDesk ist als Projekt auf openCode gehostet – man kann den Quellcode dort herunterladen. Einfach gesagt: openCode ist der „Baumarkt” (Werkzeuge und Baupläne), openDesk ist das „fertige Haus” (in dem man arbeitet).

Hinweis zur Organisationskette: Zuständig ist heute das BMDS (bis 2025 das BMI). ZenDiS betreibt openCode; einen Auftrag zur Weiterentwicklung gibt es derzeit nicht – das BMDS ist dazu mit ZenDiS im Austausch (Stand April 2026). Bis Ende 2026 soll ZenDiS auf Aufforderung des BMDS ein nachhaltiges Finanzierungskonzept vorlegen.

Hinweis zum Produktstatus: openDesk ist ein fertiges Produkt seit Version 1.0 (Oktober 2024) — produktiv nutzbar, aber weiterhin in aktiver Entwicklung.

Quellen (4)

481 Mio. € für Microsoft-Lizenzen (2025). 4 Mio. € pro Jahr für die Open-Source-Alternative (2024–2025).
Was wäre der Grund, das zu ändern — und was wäre der Grund, es nicht zu tun?

Technik & Produkt

Open-Source-Bausteine von openDesk im Vergleich zu Microsoft 365

2.1

Aus welchen Open-Source-Komponenten besteht openDesk?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

openDesk bündelt 8+ bewährte Open-Source-Anwendungen unter einer Oberfläche mit Single Sign-On.

Detail-Antwort

FunktionKomponenteVergleichbar mit (MS 365)
E-Mail, Kalender, KontakteOpen-Xchange (OX AppSuite)Outlook
Dateiverwaltung & Cloud-SpeicherNextcloudOneDrive/SharePoint
DokumentenbearbeitungCollabora OnlineWord/Excel/PowerPoint Online
Chat & MessagingElement (Matrix-Protokoll)Teams (Chat)
VideokonferenzenJitsiTeams (Video)
ProjektmanagementOpenProjectPlanner/Project
Wiki & WissensmanagementXWikiSharePoint Wiki
IAM & SSOUnivention/Nubus + KeycloakAzure Active Directory
PortalUnivention PortalMicrosoft 365 Portal
NotizenNotes (gemeinsam mit Frankreich entwickelt)OneNote
Diagramme (Ende-zu-Ende verschlüsselt)CryptPad (diagrams.net)Visio
Whiteboard (seit Version 1.19)Whiteboard-KomponenteWhiteboard
E-Mail-ServerPostfix + DovecotExchange

Technisch (für Nicht-Entwickler): openDesk läuft auf Kubernetes – Software in kleinen, austauschbaren „Containern” (wie Frachtcontainer auf einem Schiff). Bereitstellung über zahlreiche Helm-Charts (= Installations-Rezepte). Alle Komponenten nutzen gemeinsames Identitätsmanagement per OpenID Connect (OIDC) – einmal anmelden, Zugriff auf alles.

Quellen (5)
2.2

Was kann openDesk, was MS 365 nicht kann – und umgekehrt?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

openDesk bietet volle Transparenz (offener Quellcode), Datenhoheit, Modularität und DSGVO-Konformität by Design. MS 365 hat Vorteile bei KI-Tools (Copilot), Fachverfahrens-Integration, Makro-Support, mobilem Arbeiten und Ökosystem-Breite.

openDesk-Vorteile

  • Transparenz: Quellcode vollständig einsehbar und auditierbar
  • Datenhoheit: Betrieb auf eigener oder europäischer Infrastruktur, quelloffener Code – kein Anbieter, der dem US CLOUD Act unterliegt
  • Modularität: Jede Komponente austauschbar
  • Kosten-Kontrolle: Community Edition kostenfrei; die Enterprise Edition (mit Support) bietet ZenDiS der Verwaltung kostenpflichtig an
  • Krisenfähigkeit: Als „Notfallarbeitsplatz” erprobt – das CKKI-Projekt wurde im Juli 2026 mit positivem Ergebnis abgeschlossen
  • Föderation: Element-Chat ermöglicht organisationsübergreifende Kommunikation via Matrix

MS 365-Vorteile (noch)

  • KI-Tools: Copilot – gibt es bei openDesk nicht
  • Fachverfahren: Integration in Fachsoftware der Verwaltung „noch nicht angebunden” (ZenDiS-FAQ)
  • Makros & komplexe Formate: VBA-Skripte, komplexe Excel-Makros → Konvertierungsprobleme
  • Ökosystem-Breite: Power Automate, Dynamics 365, Teams-Telefonie, SharePoint-Workflows
  • Support-Struktur: Globaler Support vs. Community + Dienstleister
  • Gewohnte UX: Milliarden Nutzer kennen MS Office → Umstellung erfordert Schulung

Notizen

  • Die Fachverfahrens-Lücke ist aus UX/Change-Management-Sicht der kritischste Punkt
  • Arvato Systems sieht openDesk auch als mögliches Backup-System für MS-365-Ausfälle (Einschätzung eines Dienstleisters, keine offizielle Position)
Quellen (4)
2.3

Skalierbarkeit – wie weit trägt die Architektur?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

openDesk läuft auf Kubernetes und ist horizontal skalierbar – von kleinen Kommunen bis zu Bundesbehörden. Rund 100.000 Verwaltungsarbeitsplätze sind mit openDesk ausgestattet (Stand Juli 2026).

Detail-Antwort

Reale Skalierung (belegt):

  • rund 100.000 Verwaltungsarbeitsplätze insgesamt (Stand Juli 2026)
  • knapp 60.000 davon: Lehrkräfte Baden-Württemberg (DAP, Stand Sept. 2025)
  • Bundesverwaltung: 8.756 Lizenzen, davon 8.475 produktiv (April 2026)
  • Weitere: Robert Koch Institut, Bundeswehr (Teile), Bundeskanzleramt, Ministerien
  • SaaS-Hosting bei STACKIT (mit C5-Testat nach BSI-Kriterienkatalog)

Architektur-Vorteile:

  • Kubernetes-basiert: Container automatisch vervielfachbar
  • Helm-Chart-Deployment: Ein Bauplan für alles
  • Multi-Mandantenfähigkeit
  • GitOps-Prozess: Vollautomatisch, Rollbacks möglich

Grenzen:

  • Einige Komponenten noch nicht optimal für Container-Betrieb
  • Datenbanken müssen als verteilte Cluster laufen
  • Für Produktivbetrieb: Datenbanken und Object Storage selbst bereitstellen
  • ReadWriteMany-Volumes nötig für horizontale Skalierung

Für Nicht-Techniker: Wie ein modulares Regal-System – man kann Elemente hinzufügen oder entfernen. Wenn mehr Nutzer kommen, stellt man einfach mehr „Regale” auf.

Quellen (5)

Die Komponenten von openDesk sind nicht unabhängig voneinander. Im Graph rechts: wer was entwickelt und wo die kritischen Abhängigkeiten liegen. → 2.1

Status & Fakten

Nutzung, Beteiligte und Stand der Umsetzung

3.1

Welche Institutionen nutzen openDesk?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

openDesk wird von Bundesbehörden über Landesverwaltungen bis zu internationalen Organisationen genutzt. Fünf Monate nach dem Launch verzeichnete openDesk über 1.500 Anfragen. Das für Ende 2025 genannte Ziel von rund 160.000 Lizenzen bezog sich auf die gesamte Verwaltung. Belegte Zahlen gibt es nur für die Bundesverwaltung: Laut Bundesregierung standen dort Ende 2025 7.696 Lizenzen im Produktivbetrieb, aktuell (April 2026) 8.475 von insgesamt 8.756.

Detail-Antwort

Bundesebene:

  • Robert Koch Institut – die Agora-Plattform für den öffentlichen Gesundheitsdienst basiert auf openDesk
  • Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) – digitale Gremienarbeit (laut Herstellerberichten)
  • Bundeskanzleramt (laut Medienberichten)
  • Bundeswehr (Teile, über BWI; laut Medienberichten)
  • CKKI-Projekt (Jan.–Jul. 2026, abgeschlossen): DRV Bund, Bundesagentur für Arbeit, BITMARCK, BG-Phoenics testeten openDesk als Notfallarbeitsplatz — positives Ergebnis; öffentlicher Konsultationsprozess für die Ausweitung vom 20. August bis 24. September 2026
  • Auswärtiges Amt: kein openDesk-Nutzer, aber Kooperation mit ZenDiS – gemeinsames Ökosystem für gehärtete Software-Container (seit September 2025)

Länderebene:

  • Baden-Württemberg: knapp 60.000 Lehrkräfte (DAP) — seit 2024 auf dPhoenix-Basis (Dataport), seit Sommer 2025 auf openDesk migriert
  • Schleswig-Holstein: eigener Open-Source-Arbeitsplatz für rund 30.000 Beschäftigte, nicht openDesk (B.15)
  • Mecklenburg-Vorpommern (geplant, noch nicht im Betrieb): einheitlicher digitaler Arbeitsplatz auf openDesk-Basis für rund 16.000 Lehrkräfte und Schulbeschäftigte — Kooperationsvereinbarung mit Schwarz Digits (September 2026)

International:

  • ICC Den Haag: ersetzt Microsoft-Produkte durch openDesk (angekündigt Okt. 2025; laut Medienberichten rund 1.800 Arbeitsplätze)
  • Schweiz: PoC BOSS der Bundeskanzlei abgeschlossen — Folgeprogramm „souveräne Arbeitsplatzsoftware” für rund 3.000 Beschäftigte ab Ende 2027 (Sep. 2026; die Bundeskanzlei nennt openDesk nicht namentlich, die Zuordnung stammt aus Medienberichten); unabhängig davon stellt das Kommando Cyber (Einheit CEA) laut Fachpresse bis Oktober 2026 auf openDesk um
  • DINUM (Frankreich): Kooperation bei Docs/Notizen
  • Interesse: Niederlande, Tschechien, Italien, Polen, Spanien, Österreich, Dänemark

Rollout-Kontext Baden-Württemberg: Der Rollout entstand nicht aus einer strategischen Entscheidung für Open Source. 2022 pilotierte das Kultusministerium Microsoft 365 — der Landesbeauftragte für Datenschutz (LfDI) äußerte danach erhebliche Bedenken und empfahl eine Alternative. Das Kultusministerium wählte dPhoenixSuite über Dataport, da eine erneute Ausschreibung Jahre gedauert hätte. Der Wechsel auf openDesk 2025 war eine technische Migration, keine neue politische Entscheidung.

Wie Lehrkräfte in beide Schritte eingebunden wurden, ist öffentlich kaum dokumentiert. Ein Pilotprojekt mit ca. 550 Teilnehmenden wurde positiv bewertet. Angaben zu Personalratsbeteiligung oder Mitbestimmungsverfahren waren in den recherchierten Quellen nicht auffindbar.

Notizen

  • Schleswig-Holstein nutzt openDesk nicht → eigener Stack (LibreOffice + OX + Thunderbird)
  • Kein öffentliches Register aller nutzenden Institutionen – Transparenzlücke
Quellen (16)
3.2

Welche Bundesländer haben Beitrittsabsichten erklärt?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Am 29. April 2022 bekundeten acht Länder gemeinsam mit dem Bund ihr Interesse an einem ZenDiS-Beitritt: Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Niedersachsen hat 2024 per Kabinettsbeschluss den Weg für eine Beteiligung frei gemacht. Beigetreten ist bis heute kein Land – der Bund hat die Öffnung für die Länder noch nicht eröffnet.

Detail-Antwort

BundeslandStatus
Schleswig-HolsteinAbsichtserklärung 2022; Digitalminister Dirk Schrödter sitzt im ZenDiS-Aufsichtsrat; kein Beitritt
ThüringenAbsichtserklärung 2022; laut Medienberichten (2024) Beitritt vorbereitet; kein Beitritt
BerlinAbsichtserklärung 2022; Open-Source-Strategie des Landes: „Beitritt zum ZenDiS wird vorbereitet”
Baden-WürttembergAbsichtserklärung 2022; nutzt openDesk produktiv (knapp 60.000 Lehrkräfte), aber kein GmbH-Beitritt
NiedersachsenKabinettsbeschluss Oktober 2024: Weg zur Beteiligung frei gemacht
Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, SachsenAbsichtserklärung 2022; kein weiterer öffentlicher Stand
HessenKein Antrag gestellt, „da sich die Ausgestaltung der Beteiligungsmöglichkeiten noch in Klärung befindet” (Landesregierung, 2025)
BayernMai 2026: Digitalministerium startet Projekt „Souveräner Arbeitsplatz” (ZenDiS-Lösungen + BayernCloud-Schule); openDesk nicht namentlich genannt

MPK-Beschluss (Föderale Modernisierungsagenda): Bund und Länder haben sich verpflichtet, bis 31. März 2027 digital souveräne Alternativen zu proprietären IT-Arbeitsplätzen bereitzustellen — wörtlich bestätigt durch die Bundesregierung in Bundestag-Drucksache 21/5502 (22.04.2026). Aus Absichtserklärungen wird damit ein verbindlicher Zeitplan.

Warum stockt es? Der Bund hat die Öffnung für die Länder von Anfang an für eine zweite Phase vorgesehen. Den nötigen Antrag nach § 65 BHO hat er im August 2024 an Bundesfinanzministerium und Bundesrechnungshof geschickt; geprüft wird u. a. das Mischverwaltungsverbot. Im April 2026 verweist die Bundesregierung auf Gesellschaftsvertrag und Vergaberecht – ohne Zeitplan. Details → 4.4. Paradox: Ohne Länderbeitritt fehlen ZenDiS künftig Aufträge.

Quellen (10)
3.3

Welcher Status: Nutzung vs. Planung?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Von 16 Bundesländern nutzt eines openDesk produktiv (Baden-Württemberg); acht bekundeten 2022 Interesse an einem ZenDiS-Beitritt, Niedersachsen folgte 2024. Auf Bundesebene: produktive Nutzung + laufende Piloten. International wächst Interesse stark.

Status-Matrix (Okt. 2026)

EbeneProduktivPilot/TestGeplant/Interesse
BundRobert Koch Institut (Agora), Ministerpräsidentenkonferenz, Kanzleramt, Teile BundeswehrCKKI (Deutsche Rentenversicherung Bund, Bundesagentur für Arbeit, BITMARCK; abgeschlossen Juli 2026)Alle Ressorts (Ziel: 2028)
LänderBaden-Württemberg (60.000 Lehrkräfte)Bayern (Mai 2026: Projekt „Souveräner Arbeitsplatz” mit ZenDiS-Lösungen; openDesk nicht namentlich)8 Länder mit Absichtserklärung (2022), Niedersachsen (2024), Mecklenburg-Vorpommern (16.000 Lehrkräfte geplant)
Kommunen–Kreis Ostholstein (Entwicklungsprojekt, Landesförderung 2025), einzelne Piloten1.500+ Anfragen gesamt
International–Umstellung läuft: Internationaler Strafgerichtshof (ICC), Schweizer Kommando Cyber (laut Fachpresse)Schweiz (Bundeskanzlei: Folgeprogramm für 3.000 Beschäftigte ab Ende 2027), Frankreich, Niederlande, Tschechien, Italien, Polen, Spanien, Österreich, Dänemark

Meilensteine:

  • Okt. 2024: openDesk 1.0
  • März 2025: 70.000 aktive Enterprise-Lizenzen
  • Nov. 2025: Ziel 160.000 Lizenzen
  • Q1 2026: Vertriebspartnerprogramm-Ausschreibung
  • Jan.–Jul. 2026: CKKI-Projekt (openDesk als Notfallarbeitsplatz, im Juli mit positivem Ergebnis abgeschlossen)
  • Apr. 2026: 8.756 openDesk-Lizenzen in der Bundesverwaltung (8.475 produktiv, ca. 280 Pilotierungen) — Quelle: Bundestag-Drucksache 21/5502
  • Sep. 2026: Vertriebspartnerprogramm startet — Öffnung für private Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister
  • Okt. 2026: govdigital/ZenDiS-SaaS-Marktplatz „Deutschland Digital” — Pilotpakete für openDesk buchbar (Hosting durch STACKIT), vollproduktiv ab Januar 2027
  • Okt. 2026: ZenDiS meldet mehr als 200.000 verkaufte Lizenzen; Nachfrage übersteigt bisherige Kapazität, Vertrieb wird auf Partner verlagert

Nutzungszahlen im Überblick — die Angaben zählen Unterschiedliches (Ziel, aktive Nutzer, Arbeitsplätze, Lizenzen) und sind nicht direkt vergleichbar:

ZahlWas gezählt wirdQuelleStand
rund 160.000Ziel: „Bis Ende 2025 sollen rund 160.000 openDesk-Lizenzen in der deutschen Verwaltung im Einsatz sein”OpenProject (Hersteller)Nov. 2025
160.000„nach Angaben des ZenDiS heute 160.000 User*innen aktiv”DataportOkt. 2025
rund 100.000„Aktuell sind bereits 100.000 Verwaltungsarbeitsplätze mit openDesk ausgestattet”Deutsche RentenversicherungJuli 2026
8.475 von 8.756produktiv genutzte Lizenzen in der BundesverwaltungBundesregierung (Drucksache 21/5502)April 2026
mehr als 200.000verkaufte Lizenzen insgesamt (nicht gleichzusetzen mit aktiver Nutzung)ZenDiS laut HandelsblattOktober 2026

Was fehlt für breite Nutzung:

  • Länderbeitritte zur ZenDiS GmbH (offen)
  • Fachverfahrens-Anbindung
  • Stabilere Finanzierung
  • Verbindlicher Rollout-Plan des Bundes (laut Bundesregierung „in Ausarbeitung”, April 2026)

Verbindlicher Zeitplan: Mit der Föderalen Modernisierungsagenda (MPK-Beschluss) haben sich Bund und Länder verpflichtet, bis 31. März 2027 digital souveräne Alternativen zu proprietären IT-Arbeitsplätzen bereitzustellen — bestätigt in Bundestag-Drucksache 21/5502 (22.04.2026, Nr. 212 der Modernisierungsagenda). Bayern leitet daraus sein Projekt „Souveräner Arbeitsplatz” ab (stmd.bayern.de, 27.05.2026).

Quellen (13)

100.000 Arbeitsplätze. 5,5 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Das sind keine 2 %.
Was müsste passieren, damit daraus ernsthafte Verbreitung wird?

Akteure & Governance

Zuständigkeiten, Finanzierung und Steuerungsstrukturen im föderalen System

4.1

Was ist ZenDiS und welche Rolle spielt es?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

ZenDiS (Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung) ist eine 100% Bundes-GmbH, gegründet im Dezember 2022. Es fungiert als Kompetenz- und Servicezentrum für Open-Source-Software in der Verwaltung und verantwortet openDesk und openCode.

Detail-Antwort

  • Gegründet: Dezember 2022, Antwort auf BMI-Marktanalyse 2019
  • Rechtsform: GmbH des Bundes, perspektivisch Bund-Länder-GmbH
  • Mitarbeitende: ca. 60
  • Geschäftsführung (seit April 2026): Pamela Krosta-Hartl (seit Nov. 2025, Markt und Kundengeschäft) + Leonhard Kugler (Entwicklung und kaufmännischer Bereich)
  • Produkte: openDesk (Office-Suite), openCode (Code-Plattform), Docs (mit DINUM)
  • Finanzierung: keine institutionelle Förderung, nur Aufträge; das BMDS hat ZenDiS aufgefordert, bis Ende 2026 ein nachhaltiges Finanzierungskonzept vorzulegen
  • Weiterentwicklung als Rahmenvertrag an Dienstleister vergeben (B1 Systems als Generalunternehmer)
Quellen (4)
4.2

Wie hängen ZenDiS, FITKO, IT-Planungsrat, BMI zusammen?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Vier verschachtelte Akteure mit unterschiedlichen Rollen:

AkteurRolleRechtsform
BMDS (bis 2025 BMI)Auftraggeber, politische SteuerungBundesministerium
IT-PlanungsratStrategische Koordinierung Bund-Länder-ITGremium (Art. 91c GG)
FITKOOperative Umsetzung IT-Planungsrat-BeschlüsseAöR (Staatsvertrag)
ZenDiSProduktentwicklung openDesk/openCodeGmbH (100% Bund)

FITKO nutzt openDesk selbst produktiv (Sitzungsmanagement FIT-SB, IT-Standards-Portfolio).

Quellen (2)
4.3

Wer finanziert openDesk?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

openDesk wird über den BMDS-Kernhaushalt finanziert. Kapitel 2401 „Digitalpolitik, digitale Innovationen und Konnektivität” umfasst 2026 222,4 Mio. €; Ob und in welcher Höhe darin ZenDiS-Mittel stecken, ist nicht öffentlich ausgewiesen. Zum Vergleich: Microsoft-Ausgaben des Bundes über 481 Mio. € (2025).

Detail-Antwort

  • BMDS-Kernhaushalt 2026 (Einzelplan 24): 1,36 Mrd. € gesamt
  • Kapitel 2401 „Digitalpolitik, digitale Innovationen und Konnektivität”: 222,4 Mio. € (2026) — eine Zuordnung der ZenDiS-Mittel ist nicht öffentlich belegt. Regierungsentwurf 2027: rund 208,4 Mio. € (Digitaletat des BMDS insgesamt rund 1,44 Mrd. €)
  • Blockierte 34 Mio. € Ausgabereste: Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat im November 2024 die Bundesregierung aufgefordert, Ausgabereste in Höhe von 34 Mio. € unverzüglich und vollumfänglich an die ZenDiS GmbH zu übertragen. Die Bundesregierung kam dem nicht nach.
  • openDesk-Anteil: Nicht öffentlich beziffert
  • Finanzierung nur über Aufträge: Eine Zuwendung oder institutionelle Förderung gibt es laut Bundesregierung nicht, „sondern einzig Auftragsverhältnisse”. Für openDesk wurden 2025 (bis 18. Februar) 950.000 € für Bereitstellung und Weiterentwicklung bereitgestellt. Der openConference-Auftrag endete am 31.12.2025; für openCode besteht derzeit kein Weiterentwicklungsauftrag (Stand April 2026).
  • Grundfinanzierung: Eine dauerhafte, planbare Grundfinanzierung ist bislang nicht beschlossen — auch für 2026 nicht. Das BMDS hat ZenDiS aufgefordert, bis Ende 2026 ein nachhaltiges Finanzierungskonzept vorzulegen
  • Bedarf laut ZenDiS-Geschäftsführung: Für 2024 kalkulierte ZenDiS einen Finanzbedarf von 45 Mio. €, erwartete aber nur rund 19 Mio. € (laut netzpolitik.org — keine offizielle Haushaltszahl)
  • Mittelherkunft: Bundeshaushalt über BMDS (seit 2025 zuständig für Digitales; das BMI bleibt eigenständiges Ministerium)
  • SH-Gegenbeispiel: 9 Mio. € einmalige Migrationskosten → über 15 Mio. € Lizenzkosten gespart (Das Geld fließt nicht von woanders — es fällt einfach nicht mehr als Lizenzkosten an)
Quellen (6)
4.4

Warum sind die Länder ZenDiS bis heute nicht beigetreten?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Bis heute ist kein Land ZenDiS beigetreten; der Bund ist alleiniger Gesellschafter. Die Öffnung für die Länder war von Anfang an erst für eine zweite Phase geplant – und die Voraussetzungen dafür hat der Bund noch nicht abschließend geschaffen.

Detail-Antwort

  • 2022 – Interesse: Am 29. April 2022 bekundeten Bund und acht Länder (Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein, Thüringen) in einer gemeinsamen Absichtserklärung ihr Interesse an einem Beitritt.
  • Zweiphasenmodell: Schon der Gründungsantrag vom September 2022 sah vor: erst Aufbau durch den Bund, danach Öffnung für die Zusammenarbeit mit den Ländern.
  • § 65 BHO: Für eine Länderbeteiligung braucht es ein Beteiligungsmodell, das Bundesministerium der Finanzen und Bundesrechnungshof prüfen. Der Bund hat den Antrag am 1. August 2024 übermittelt, überarbeitete Unterlagen folgten am 4. März 2025.
  • Was geprüft wird: Laut Bundesregierung (März 2025) geht es rechtlich „unter anderem um die Prüfung des verfassungsrechtlichen Verbots von Mischverwaltung zwischen Bund und Ländern sowie um die Sicherung des wichtigen Bundesinteresses”. Deshalb konnte noch keine Einladung an die Länder ausgesprochen werden.
  • Stand April 2026: Die Bundesregierung nennt als Rahmenbedingungen den Gesellschaftsvertrag und vergaberechtliche Vorgaben – einen Zeitplan nennt sie nicht. ZenDiS selbst schreibt, eine Beteiligung der Länder sei in Vorbereitung.
  • Folge: Die Länder beziehen openDesk derzeit über die Genossenschaft govdigital statt direkt bei ZenDiS. Den Aufschlag dafür beziffern die Fragesteller einer Bundestagsanfrage auf rund 2 Prozent (Angabe der Fragesteller, nicht der Bundesregierung).

Tiefere Erklärung zum Mischverwaltungsverbot → B.9

Quellen (5)
4.5

Warum funktioniert FITKO mit allen 16 Ländern, ZenDiS aber nicht?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

FITKO ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR), gegründet per Staatsvertrag – verfassungsrechtlich sauber. ZenDiS ist eine GmbH des Bundes – eine Länderbeteiligung braucht ein Beteiligungsmodell nach § 65 BHO, das Bundesfinanzministerium und Bundesrechnungshof prüfen; geprüft wird u. a. das Mischverwaltungsverbot.

Detail-Antwort

FITKOZenDiS
RechtsformAöR (Staatsvertrag)GmbH (100% Bund)
VerfassungsbasisIT-Staatsvertrag (Art. 91c GG)Keine spezielle
Träger / GesellschafterBund + 16 Länder (Träger)Nur Bund (Gesellschafter)
Gründung20202022
LänderbeteiligungGegebenOffen (Zweiphasenmodell; Prüfung u. a. Mischverwaltungsverbot)

Eine öffentlich diskutierte Option wäre: ZenDiS per Staatsvertrag in eine AöR umwandeln (wie FITKO). Das ist aber politisch aufwändig und dauert Jahre.

GmbH-Nachteile für ZenDiS: Keine Länderaufträge → Finanzierungslücke. Keine föderale Legitimation → politische Angreifbarkeit. BMF als Genehmigungsinstanz → strukturelle Abhängigkeit.

AöR-Vorteile: Alle 16 Länder als formale Mitträger möglich. Eigene Einnahmen durch Länderaufträge. Mitsprache im Aufsichtsrat. openDesk würde von Bundesprodukt zu gemeinsamer Verwaltungsinfrastruktur.

GmbH vs. AöR im Detail → B.13

Quellen (4)
4.6

Geschäftsführung & Horstmann-Krise

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Jutta Horstmann (CTO/CEO seit Okt. 2024) wurde im April 2025 „überraschend vom BMI abberufen” (Wikipedia). Pamela Krosta-Hartl folgte im November 2025. Im April 2026 verließ Pockrandt ZenDiS; Leonhard Kugler übernahm als Co-Director Entwicklung und kaufmännischen Bereich. Die Abberufung Horstmanns signalisierte politische Spannungen zwischen ZenDiS und dem Ministerium.

Detail-Antwort

  • Reckert-Lodde (Geschäftsführung in der Aufbauphase, bis 2024)
  • Horstmann (Okt. 2024–Apr. 2025): Open-Source-Expertin, >20 Jahre Erfahrung, nannte digitale Souveränität „alternativlos” → vom BMI abberufen
  • Krosta-Hartl (seit Nov. 2025): Geschäftsführerin, zuständig für Markt und Kundengeschäft
  • Kugler (seit Apr. 2026): Co-Director neben Krosta-Hartl, zuständig für Entwicklung und kaufmännischen Bereich; zuvor seit März 2024 in Führungsposition bei ZenDiS
  • Pockrandt (CFO): Wechselte von HZD Wiesbaden, verließ ZenDiS im April 2026
Quellen (4)
4.7

Betreiber & Dienstleister

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

openDesk wird nicht von ZenDiS selbst betrieben, sondern von einem Ökosystem aus IT-Dienstleistern:

DienstleisterRolle
B1 SystemsGeneralunternehmer (Rahmenvertrag 2024, zunächst für zwei Jahre), arbeitet mit STACKIT für den SaaS-Betrieb zusammen; seit Okt. 2026 zugelassener Systemintegrator im Partnerprogramm (Integration, Migration, Betrieb)
STACKIT (Schwarz-Gruppe)Cloud-Hosting SaaS (BSI C5-zertifiziert); seit Okt. 2026 erster „Approved Sovereign Service Provider” im Partnerprogramm, hostet den govdigital-SaaS-Marktplatz „Deutschland Digital” (Pilotphase seit 13.10.2026)
IONOSBetreiber im CKKI-Projekt (im Juli 2026 abgeschlossen)
T-SystemsBetreiber im CKKI-Projekt (im Juli 2026 abgeschlossen)
Partnerprogramm (seit Sept. 2026)ZenDiS öffnet Vertrieb und Betrieb für private Anbieter: Distributoren, Sovereign Service Provider (mit C5-Testat und SEAL-Level 3), Systemintegratoren. Erste zugelassene Partner (14.10.2026): STACKIT, B1 Systems, DACHS IT; Zulassungsverfahren bis 31.01.2027 geöffnet
DataportIT-Dienstleister Nord (Träger: Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt + IT-Verbund Schleswig-Holstein)
DACHS ITMigration, Schulung, Analyse; seit Okt. 2026 zugelassener Systemintegrator im Partnerprogramm (Architektur, Installation, Betrieb als SaaS, On-Premises oder Notfallarbeitsplatz)
GECKOImplementierung, Betreuung
govdigitalVergabefreie Beschaffung für Kommunen
Bundesdruckerei-Gruppe (via Tochter genua)Partnerschaft seit 29.09.2026 (Letter of Intent): VS-NfD-konformer Zugriff auf openDesk über das Sicherheitspaket genusecure Suite von genua
Open Productivity Software GmbH (seit Okt. 2026)Eigenständiges Joint Venture sechs openDesk-Komponentenhersteller (Collabora, Element, Nordeck, Open-Xchange, Univention, XWiki); soll openDesk gemeinsam mit ZenDiS bei Unternehmen und Betreibern kritischer Infrastruktur etablieren, auch international
Quellen (16)
4.8

Governance-Struktur insgesamt

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Fragmentierte Governance mit Blockaden auf mehreren Ebenen.

Problemkette

  1. Länderbeitritte ungeklärt: Antrag nach § 65 BHO liegt seit August 2024 bei Bundesfinanzministerium und Bundesrechnungshof; Stand April 2026 kein Zeitplan
  2. Ohne Länderbeitritte: keine Aufträge, keine Finanzierung
  3. Ohne Finanzierung: ZenDiS unterbesetzt (60 MA für alle Aufgaben)
  4. Ohne Personal: Dokumentation, Change Management, Support leiden
  5. Ohne Support: Akzeptanzprobleme bei Migration

Workarounds

  • BaWü: Nutzt openDesk ohne GmbH-Beitritt (über Dienstleister)
  • Kommunen: Vergabefrei über govdigital-Genossenschaft
  • SH: eigener Open-Source-Arbeitsplatz, nicht openDesk
  • CKKI: BMWE-Förderung statt Haushalt des BMDS
Quellen (4)
4.9

Was ist der IT-Planungsrat — und welche Rolle spielt er für openDesk?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Der IT-Planungsrat ist das höchste Koordinierungsgremium für IT zwischen Bund und allen 16 Bundesländern. Er hat 2021 das Organisationskonzept für ZenDiS zur Kenntnis genommen und den Bund um weitere Abstimmung gebeten (gegründet hat ZenDiS das BMI 2022), die Deutsche Verwaltungscloud beschlossen und die Digitalisierungsstrategie verabschiedet. Ohne IT-Planungsrat-Beschluss bewegt sich in der föderalen Verwaltungs-IT strukturell nichts.

Detail-Antwort

  • Rechtsgrundlage: Art. 91c GG – verfassungsrechtlich verankert
  • Zusammensetzung: Bund + alle 16 Länder, vertreten durch CIOs und IT-Beauftragte; beratend dabei sind Vertreter der Kommunen und die FITKO
  • Entscheidungsmodus: Beschlüsse brauchen den Bund und 11 Länder, die mindestens zwei Drittel des Königsteiner Schlüssels abbilden; politisch wird Konsens angestrebt
  • Zuständigkeiten: IT-Interoperabilität, OZG-Steuerung, DVC-Beschluss, ZenDiS-Gründungsauftrag, Deutschland-Stack-Beschluss (2026)
  • Operative Umsetzung: FITKO (Anstalt von Bund und Ländern); ZenDiS arbeitet dagegen im Auftrag des Bundes

Zur Einordnung: Der IT-Planungsrat könnte openDesk zum Bundesstandard erklären. Bis heute hat er das nicht getan — openDesk ist kein verbindlicher Standard. Verbindlich ist dagegen die Föderale Modernisierungsagenda: Bund und Länder sollen bis 31. März 2027 digital souveräne Alternativen zu proprietären Arbeitsplätzen bereitstellen. Dass das Gremium durchaus verbindlich entscheiden kann, zeigt der Kontrast: Im März 2026 beschloss es mit dem Deutschland-Stack verbindliche Standards und einen gemeinsamen Plattformkern für die gesamte Verwaltungs-IT — openDesk ist darin nicht enthalten. Vertiefung → 6.2

Notizen

  • Der IT-Planungsrat tagt in der Regel dreimal jährlich
  • FITKO ist das operative Sekretariat des IT-Planungsrats
Quellen (8)
4.10

Was ist FITKO — und wie koordiniert sie IT-Projekte zwischen Bund und Ländern?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

FITKO (Föderale IT-Kooperation) ist die operative Umsetzungsstelle des IT-Planungsrats – die gemeinsame Anstalt von Bund und allen 16 Ländern nach dem IT-Staatsvertrag. Der Unterschied zu ZenDiS liegt in der Rechtsform: FITKO ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR), gegründet per Staatsvertrag. ZenDiS ist eine Bundes-GmbH.

Detail-Antwort

FITKO nutzt openDesk selbst produktiv: Sitzungsmanagement (FIT-SB), IT-Standards-Portfolio, OpenProject-Integration via REST-API.

Die Gegenüberstellung FITKO vs. ZenDiS (Rechtsform, Gesellschafter, Verfassungsbasis) findest du unter → 4.5

Was daraus folgt: Wenn ZenDiS je alle 16 Länder einbinden soll, müsste es in eine AöR umgewandelt werden – wie FITKO. Das erfordert einen Staatsvertrag und politischen Willen aller Länder. Zeitrahmen: mehrere Jahre.

Warum das strukturell so schwierig ist → B.13

Notizen

  • FITKO-Sitz: Frankfurt am Main
  • Mitarbeitende: ca. 120 (deutlich mehr als ZenDiS)
  • FITKO betreibt u. a. den FIT-Store, den Marktplatz für EfA-Leistungen (Einer-für-Alle im OZG); entwickelt werden die Leistungen selbst von den Ländern
Quellen (3)
4.11

Was ist das ITZBund — und welche Infrastruktur stellt es für den Bund bereit?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Das Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund) ist der größte IT-Dienstleister des Bundes – betreibt die Bundescloud, mehrere Rechenzentren und die IT-Infrastruktur für Bundesbehörden – nach eigenen Angaben rund 1 Million Nutzende, 4.600 Beschäftigte. Ohne ITZBund läuft kein openDesk-Rollout auf Bundesebene.

Detail-Antwort

  • Rechtsform: Bundesbehörde; seit dem Organisationserlass vom 06.05.2025 gehen wesentliche Teile in den Geschäftsbereich des BMDS über, die Steuer- und Zoll-IT bleibt beim BMF
  • Betreibt: Bundescloud, IVBB (Informationsverbund Berlin-Bonn), zentrale Bundesrechenzentren
  • Relevanz für openDesk: Bereitstellung und Betrieb der Serverinfrastruktur für Bundesbehörden
  • Kapazitätsaufbau für Deutsche Verwaltungscloud (DVC) läuft
  • Hat einen Rahmenvertrag mit IONOS für eine souveräne On-Premise-Cloud

Zur Einordnung: Die Bundescloud ist kapazitär begrenzt und nicht für Länder zugänglich. Länder und Kommunen, die openDesk nutzen wollen, müssen eigene Infrastruktur betreiben oder SaaS-Anbieter (STACKIT, govdigital) nutzen – das erhöht Aufwand und Kosten.

Notizen

  • ITZBund verwaltet IT-Systeme im Umfang eines mittelgroßen DAX-Unternehmens
  • Zuständigkeit im Umbruch (BMDS und BMF) – das schafft zusätzliche Koordinationsschritte bei openDesk-Rollouts
Quellen (5)
4.12

Was ist Dataport — und welche Bedeutung hat Schleswig-Holsteins Rollout?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Dataport AöR ist der IT-Dienstleister der norddeutschen Länder (Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen, Sachsen-Anhalt sowie für die Steuerverwaltungen Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen) und der technische Betriebspartner für Schleswig-Holsteins Open-Source-Umstieg: 30.000 Arbeitsplätze.

Detail-Antwort

  • Rechtsform: AöR – getragen von 6 Ländern und dem IT-Verbund Schleswig-Holstein
  • Hauptaufgaben: Rechenzentren, IT-Betrieb, eGovernment-Infrastruktur Norddeutschland
  • Vorgeschichte: Dataport entwickelte die dPhoenixSuite – openDesks Vorgänger – und übergab die Community-Version Anfang 2024 an ZenDiS (ZenDiS selbst wurde im Dez. 2022 gegründet). Mehr zur dPhoenixSuite → B.1
  • Aktuelle Rolle: Technischer Betriebspartner für den SH-Rollout (30.000 Arbeitsplätze)
  • Hat 2025 das Programm Phoenix beendet und seine Kunden auf openDesk von ZenDiS migriert; unterstützt ZenDiS weiter

Zur Einordnung: Schleswig-Holsteins Umstieg auf einen offenen Arbeitsplatz (LibreOffice, Open-Xchange/Thunderbird, perspektivisch Linux) ist einer der größten produktiven Open-Source-Rollouts der öffentlichen Verwaltung. Wichtig: SH migriert auf einen eigenen Stack, nicht auf das Bundespaket openDesk – die offizielle Landeskommunikation nennt openDesk nicht. Warum SH einen eigenen Weg geht → B.15

Stand (Dez. 2025): knapp 80 % der SH-Arbeitsplätze (außerhalb der Steuerverwaltung) auf LibreOffice umgestellt; über 15 Mio. € Lizenzkosten pro Jahr gespart. Ein Zieljahr für die vollständige Umstellung nennt die Landesregierung nicht.

Notizen

  • dPhoenixSuite wurde nie vollständig Open Source veröffentlicht – ein bekannter Kritikpunkt im OSS-Umfeld
  • Dataport ist kein ZenDiS-Gesellschafter, kann openDesk aber über Dienstleistungsverträge betreiben
Quellen (4)
4.13

Was ist govdigital — und wie vereinfacht die Genossenschaft den Einstieg für Kommunen?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

govdigital eG ist eine Genossenschaft von über 30 öffentlichen IT-Unternehmen, die gemeinsam Cloud- und Digitaldienste für die Verwaltung entwickeln und betreiben. Für Bundesländer und Kommunen ist govdigital ein direkter Weg, openDesk zu nutzen – ohne eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen und ohne den komplexen Beschaffungsweg über ZenDiS.

Detail-Antwort

  • Rechtsform: eingetragene Genossenschaft (eG)
  • Mitglieder: 32, überwiegend öffentliche IT-Dienstleister (darunter Dataport, AKDB, regio iT), außerdem u. a. FITKO und ZenDiS
  • Modell: Vergabefreie Beschaffung für Mitglieder und deren Träger – kein öffentliches Ausschreibungsverfahren nötig
  • Rolle bei openDesk: Bezugsweg zu den ZenDiS-Produkten (ZenDiS ist selbst Mitglied); seit 13.10.2026 ist openDesk als Pilotangebot über den Marktplatz „Deutschland Digital” als SaaS buchbar (Hosting zunächst ausschließlich durch STACKIT über den gd.Cloud-Broker-Rahmenvertrag), vollproduktiv ab Januar 2027
  • Zielgruppe: Kommunen und Länder ohne eigene Rechenzentrumskapazität

Zur Einordnung: Öffentliche IT-Beschaffung ist komplex und langwierig. Über die Genossenschaft können Kommunen openDesk direkt beziehen – das senkt die Einstiegshürde erheblich.

Notizen

  • govdigital wurde am 12.12.2019 von zehn öffentlichen IT-Dienstleistern gegründet – zunächst als Blockchain- und Infrastruktur-Genossenschaft
  • Genossenschaftsmodell ermöglicht schnelle Aufnahme neuer Mitglieder ohne politischen Beschluss
Quellen (6)
4.14

Was ist das BSI — und welche Bedeutung hat seine Zertifizierung für openDesk?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist die nationale IT-Sicherheitsbehörde Deutschlands. Es zertifiziert Produkte (z. B. nach Common Criteria), gibt mit C5 den Prüfkatalog für Cloud-Dienste vor, setzt Sicherheitsstandards und ist de facto Voraussetzung für den Einsatz in sicherheitskritischen Behördenbereichen.

Detail-Antwort

  • Rechtsform: Bundesbehörde (nachgeordnet BMI)
  • Kernaufgaben: IT-Sicherheitszertifizierung (C5, Common Criteria), Beratung, Warnung vor Cyberbedrohungen
  • Relevanz für openDesk:
    • STACKIT (SaaS-Hosting openDesk) hat ein C5-Testat (Typ 2) – geprüft von unabhängigen Prüfern nach dem BSI-Katalog
    • IONOS war einer der Betreiber im CKKI-Projekt
    • openDesk als Anwendung selbst: kein eigenes BSI-Testat bisher vorhanden
  • BSI-Projekt CAOS: Codeanalyse von Open-Source-Software, u. a. Nextcloud
  • Neu (laut Fachpresse, Okt. 2026): Bundesdruckerei/genua und ZenDiS wollen openDesk über ein zugelassenes Gateway für Verschlusssachen (VS-NfD) nutzbar machen

Zur Einordnung: Für Behörden wie Bundeswehr, Verfassungsschutz oder Auswärtiges Amt ist eine BSI-Zertifizierung Pflichtvoraussetzung. Das Fehlen eines eigenen BSI-Testats für openDesk als Anwendung ist eine bisher wenig diskutierte Lücke.

Notizen

  • Das C5-Testat bezieht sich auf die Cloud-Infrastruktur, nicht auf die Anwendung selbst
  • BSI-Präsident Schönbohm wurde im Oktober 2022 von seinen Aufgaben entbunden – politisches Signal mit Nachwirkungen auf Behördenkultur
Quellen (6)
4.15

Was ist das BVA — und welche Unterstützung bietet es Bundesbehörden?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Das Bundesverwaltungsamt (BVA) ist die zentrale Dienstleistungsbehörde des Bundes – zuständig für Personalverwaltung, IT-Beratung und Verwaltungsunterstützung für zahlreiche Bundesbehörden. Bei openDesk-Rollouts spielt es eine beratende Rolle, hat aber keine eigene Beschaffungsmacht.

Detail-Antwort

  • Rechtsform: Bundesoberbehörde (nachgeordnet BMI)
  • Standort: Köln
  • Betreuungsumfang: über 200 Behörden, darunter viele kleine ohne eigene IT-Abteilung
  • Rolle bei Digitalisierung: Beratung, Koordination, Rollout-Unterstützung
  • Relevanz für openDesk: potenzieller Multiplikator für Bundesbehörden, die keinen eigenen IT-Stab haben
  • Einschränkung: kein eigenständiges Beschaffungsmandat für Software

Zur Einordnung: Kleine Bundesbehörden haben keine Ressourcen für eigenständige Rollouts. Das BVA könnte als Knotenpunkt für koordinierte openDesk-Einführung funktionieren – bisher ist das noch nicht systematisch der Fall.

Notizen

  • BVA betreute auch das inzwischen abgeschlossene Programm „Digitale Verwaltung 2020”
  • Strukturell unterfinanziert für die Aufgaben, die es übernehmen könnte
Quellen (2)
4.16

Was ist die OSB Alliance — und wofür setzt sie sich ein?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Die Open Source Business Alliance (OSB Alliance) ist der wichtigste politische Interessenverband für Open-Source-Software in Deutschland. Sie treibt das Prinzip „Public Money, Public Code” voran – die Forderung, dass mit Steuermitteln entwickelte Software automatisch Open Source sein muss. Für openDesk ist die OSB Alliance ein politischer Rückenwind-Geber.

Detail-Antwort

  • Rechtsform: eingetragener Verein
  • Mitglieder: über 200 Unternehmen und Organisationen aus dem Open-Source-Ökosystem
  • Kernforderungen:
    • „Public Money, Public Code”: Steuerfinanzierte Software = Open Source
    • Vergaberecht anpassen: Open Source bei Beschaffung bevorzugen
    • ZenDiS stärken: Grundfinanzierung statt Projektfinanzierung
  • Aktivitäten: Politische Stellungnahmen, Positionspapiere zur Bundestagswahl, Bundesratsinitiative Schleswig-Holstein

Zur Einordnung: Die OSB Alliance formuliert öffentlich, was ZenDiS intern nicht sagen kann. Die Forderung nach automatischer Open-Source-Pflicht für steuerfinanzierte Software ist bisher nicht in Bundesrecht verankert.

Notizen

  • Arbeitet eng mit FSFE (Free Software Foundation Europe) zusammen
Quellen (5)
4.17

Was ist Bitkom — und wie ist seine Interessenlage im openDesk-Kontext?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Bitkom ist der größte Digitalverband Deutschlands mit über 2.000 Mitgliedsunternehmen – darunter sowohl Open-Source-Unternehmen als auch Microsoft, SAP und andere proprietäre Anbieter. Das führt zu abgewogenen Positionierungen.

Detail-Antwort

  • Rechtsform: eingetragener Verein (e.V.)
  • Mitglieder: 2.000+ Unternehmen, von Startups bis DAX-Konzerne
  • Rolle in der Verwaltungsdigitalisierung: Stellungnahmen zu OZG, Vergaberecht, Cloud-Strategie
  • Aktivitäten: EVB-IT Vertragsanpassungen für Open-Source-Beschaffung, Studie zur digitalen Souveränität

Interessenlage: Bitkom vertritt gleichzeitig Open-Source-Unternehmen und proprietäre Anbieter – darunter Microsoft als direkten Wettbewerber von openDesk. Das führt zu abgewogenen Positionierungen.

Relevante Bitkom-Zahlen:

  • 8 von 10 deutschen Unternehmen sind von US-Digitalimporten abhängig
  • 17 % der importierenden Unternehmen wären ohne Digitalimporte höchstens sechs Monate überlebensfähig

Notizen

  • Bitkom veröffentlicht regelmäßig den „Bitkom Digital Office Index” – relevant für openDesk-Positionierung
  • GI (Gesellschaft für Informatik) ist kritischer und unabhängiger als Bitkom in Open-Source-Fragen
Quellen (4)
4.18

Was ist IT.NRW — und welches Gewicht hätte ein Beitritt des bevölkerungsreichsten Bundeslandes?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

IT.NRW ist der Landesbetrieb für IT und Statistik in Nordrhein-Westfalen – dem bevölkerungsreichsten Bundesland mit rund 18 Mio. Einwohnern und 396 Gemeinden. NRW ist kein ZenDiS-Gesellschafter und hat bisher kein aktives openDesk-Engagement. Ein landesweiter openDesk-Einsatz wäre der größte Länder-Rollout nach Baden-Württemberg.

Detail-Antwort

  • Rechtsform: Landesbetrieb (nachgeordnet NRW-Digitalministerium)
  • Aufgaben: Statistik, eGovernment, Rechenzentren, IT-Betrieb für Landesbehörden
  • Status openDesk in der Landesverwaltung: beobachtend, kein aktives Pilotprojekt bekannt
  • Signalwirkung: Eine NRW-Entscheidung würde viele kommunale IT-Dienstleister mitziehen
  • Erstes aktives NRW-Engagement (seit 2025): HSPV NRW ist offizieller ZenDiS-Kooperationspartner. Studierende der Verwaltungsinformatik nutzen openCode in der Lehre — u.a. ein komplett auf openCode laufendes Fach „Softwarearchitekturen mit Schwerpunkt KI”. Geplant: Gastvorträge, Podcast-Episoden, Open-Source-Konferenz mit Verwaltungsschwerpunkt. Möglicher Türöffner Richtung IT.NRW

Zur Einordnung: NRW hat bisher kein openDesk-Engagement; Bayern testet seit Mai 2026 im Projekt „Souveräner Arbeitsplatz” auch ZenDiS-Lösungen. Einige kommunale IT-Dienstleister in NRW (etwa regio iT) sind govdigital-Mitglieder – ein möglicher Einstiegspfad.

Notizen

  • NRW-Kabinett hat 2023 eine Digitalisierungsstrategie verabschiedet – ohne explizites Open-Source-Bekenntnis
Quellen (7)
4.19

Was ist die AKDB — und welche Signalwirkung hätte ein Beitritt auf kommunaler Ebene?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Die AKDB (Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern) ist der IT-Dienstleister für bayerische Kommunen – von Einwohnermeldeämtern bis Kfz-Zulassungsstellen. Bayern hat keinen ZenDiS-Gesellschafterstatus. Die AKDB ist der Schlüsselakteur für eine mögliche openDesk-Ausbreitung in die bayerische Kommunalebene.

Detail-Antwort

  • Rechtsform: AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts)
  • Träger: die vier kommunalen Spitzenverbände in Bayern (Gemeindetag, Städtetag, Landkreistag, Bezirketag)
  • Betreuungsumfang: Kommunen für über 13 Mio. Einwohner
  • Status openDesk: kein aktives Engagement der AKDB bekannt; das Land testet seit Mai 2026 im Projekt „Souveräner Arbeitsplatz” auch ZenDiS-Lösungen
  • Bayerischer Kontext: Ein neuer Microsoft-Rahmenvertrag über knapp 1 Mrd. € war 2025 geplant, steht laut Finanzminister Füracker (Jan. 2026) aber „nicht im Raum”; seit Mai 2026 testet das Digitalministerium im Projekt „Souveräner Arbeitsplatz” auch ZenDiS-Lösungen

Aktuelle Ausgangslage: Über 2.000 bayerische Kommunen wären bei einem AKDB-Beitritt potenziell erreichbar. Die Signalwirkung für andere Flächenländer (BW, NDS, HE) wäre erheblich. AKDB ist govdigital-Mitglied – Kommunen können über diesen Weg openDesk beschaffen, unabhängig vom AKDB-Entscheid.

Notizen

  • AKDB ist govdigital-Mitglied – ein möglicher Einstiegspfad trotz bayerischer Landespolitik
  • Kommunen können über govdigital openDesk beschaffen, unabhängig vom AKDB-Entscheid
Quellen (5)

Wer mit wem verbunden ist — und wer auffällig nicht verbunden ist —
lässt sich im Graph nachverfolgen.
Verbindungstypen sind beschriftet: wer finanziert, wer koordiniert, wer blockiert.

Menschen & Migration

Entscheidungen, Umsetzung und Auswirkungen auf die Beteiligten

5.1

Wer entscheidet über Migration – und wer trägt Konsequenzen?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Entscheidung fällt politisch (Kabinett, Minister, CIO), Konsequenzen tragen Sachbearbeiter:innen, IT-Teams und Fachbereichsleiter.

Detail-Antwort

Entscheidungsebenen:

  • Bund: BMDS (bis 2025 BMI), IT-Planungsrat
  • Land: Kabinett, Digitalminister, CIO (SH: Kabinettsbeschluss April 2024)
  • Behörde: Behördenleitung, IT-Referat (Robert Koch Institut: eigene Entscheidung – die Agora-Plattform für den öffentlichen Gesundheitsdienst basiert auf openDesk)
  • Kommune: Bürgermeister, IT-Leitung, Gemeinderat (München: Stadtratsbeschluss 2003/2017)

Konsequenzen tragen:

  • Sachbearbeiter:innen: Neue Software lernen, Workflows umstellen, Vorlagen anpassen
  • IT-Teams: Support-Anfragen explodieren
  • Fachbereichsleiter: Verantworten Produktivitätseinbrüche

Schlüsselbeobachtung: Je näher am Bürgerbüro, umso höher Anzahl Fachverfahren → umso schwieriger Migration.

Quellen (4)
5.2

Welche Widerstände gibt es (und von wem)?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Vier systematisch kartierbare Widerstandsquellen: Nutzer, IT, Fachverfahren, Politik.

Detail-Antwort

1. Nutzer-Widerstände:

  • Widerstand wenn Mehrwert nicht sichtbar oder als rein politisches Projekt empfunden
  • LibreOffice funktioniert anders als MS Office
  • GUI-Wechsel zentrale Herausforderung (vergleichbar Office 2003→2007 Ribbon)

2. IT-Widerstände:

  • Linux/OSS-Kompetenz fehlt in Verwaltungs-IT
  • Doppelbetrieb (MS + OSS parallel) bindet massive Ressourcen

3. Fachverfahren-Widerstände:

  • VBA-Makros funktionieren nicht in LibreOffice
  • 20% Arbeitsplätze SH weiter auf MS Office angewiesen (Fachverfahren-Abhängigkeiten)

4. Politische Widerstände:

  • München: Unter OB Dieter Reiter (bis 2026) fiel die Rückkehr zu Windows, nachdem ein Accenture-Gutachten sie empfohlen hatte; seit 2026 ist Dominik Krause (Grüne) Oberbürgermeister
  • Bayern: Ein geplanter Microsoft-Rahmenvertrag über knapp 1 Mrd. € steht laut Finanzminister (Jan. 2026) „nicht im Raum”; seit Mai 2026 testet das Digitalministerium ZenDiS-Lösungen

LiMux-Lehre (FSFE): IT-Fragmentierung + schlechtes Projektmanagement + unzureichende interne Kommunikation als Hauptursachen. Wichtig: LiMux hat technisch funktioniert — das Scheitern war organisatorisch und politisch, nicht technisch.

Quellen (4)
5.3

Gibt es öffentliche Dokumentation zu Migration/Onboarding?

Kurz-Antwort

Technische Doku existiert. Eine öffentliche Change-Management-Orientierung gab es lange nicht – seit 2026 schließt Schleswig-Holstein diese Lücke erstmals.

Detail-Antwort

Verfügbar:

  • Technische Installationsdoku (docs.opendesk.eu)
  • API-Dokumentation (openCode GitLab)
  • Exchange-Migrationsleitfaden (DACHS IT, kommerziell)
  • Admin-Handbuch (openDesk FAQ)

Neu seit 2026 – Schleswig-Holstein „Wissenstransfer Open Source”:

  • Öffentliche Orientierung für Entscheidungsträger:innen (keine technische Doku)
  • Change-Management als zentraler Baustein – inkl. Erfahrungswerten (rund die Hälfte des Migrationsaufwands entfällt auf Change-Management, nicht auf Technik)
  • Schritte von Zieldefinition über Pilotierung bis Go-Live, Schulung und Support
  • Unter offener Lizenz, als „lebendiger Beitrag zur Open-Source-Community”
  • Einordnung: produktneutral und auf Schleswig-Holsteins eigenem Weg (seit 2018) aufgebaut – nicht openDesk-spezifisch

Weiterhin Lücke (openDesk-spezifisch):

  • Konkrete Schulungskonzepte und Onboarding-Prozesse für openDesk
  • openDesk-bezogene Migrationserfahrungsberichte
  • User-Feedback/Evaluationen

Private Dienstleister bieten:

  • DACHS IT: Analyse, Entscheidungsfindung, Integration, Schulungen
  • GECKO: Implementierung und Betreuung
  • B1 Systems: Support für Self-Hosting
Quellen (3)
5.4

Warum keine öffentliche Change-Management-Doku trotz öffentlicher Gelder?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Fünf Gründe: Ressourcenmangel, Auftragnehmer-Logik, fehlendes Mandat, „Public Money, Public Code” ≠ „Public Process”, früher Projektstatus.

Detail-Antwort

  1. Ressourcenmangel (belegt): ZenDiS mit knapp fünfzig Mitarbeitenden (laut Fachpresse, April 2026), von Nachfrage überrollt, konnte nicht alle Demo-Anfragen bedienen
  2. Auftragnehmer-Logik (belegbare Logik): Migrationsprojekte von privaten Dienstleistern. Deren Know-how ist Geschäftsmodell → kein Interesse an öffentlicher Veröffentlichung
  3. Fehlendes Mandat (Beobachtung): Intransparente Governance → Dokumentation nicht eingefordert
  4. „Public Money, Public Code” – aber nicht „Public Process” (analytische These): Grundsatz bezieht sich auf Code, nicht Prozessdokumentation
  5. Früher Projektstatus (belegt): openDesk 1.0 erst Oktober 2024. Viele Implementierungen sind Piloten

Zentrale Lücke

Abwesenheit öffentlicher Change-Management-Dokumentation bei öffentlich finanziertem Projekt = Problem + Chance. Genau diese Lücke kann mit UX-Change-Management-Methoden gefüllt werden.

Bewegung seit 2026: Schleswig-Holstein hat mit dem „Wissenstransfer Open Source” erstmals eine öffentliche, frei lizenzierte Orientierung zu Change-Management und Migration veröffentlicht – produktneutral und auf der eigenen Erfahrung seit 2018 aufgebaut. Ein erster Schritt, der die Lücke verkleinert, sie aber nicht schließt: openDesk-spezifische Prozess- und Schulungsdokumentation der herstellenden bzw. einführenden Stellen bleibt aus.

Quellen (3)
5.5

Gibt es dokumentierte Erfolgsgeschichten – und Misserfolge?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Ja. SH und Schwäbisch Hall sind Erfolgsgeschichten. LiMux München und LiMAx Mannheim sind dokumentierte Misserfolge.

Erfolgsgeschichten

ProjektUmfangStatusBesonderheit
Schleswig-Holstein30.000 PCs80% migriert (Dez 2025)Spart >15 Mio. € Lizenzkosten
Schwäbisch Hallrund 500 PC-Arbeitsplätze (laut IT-Leiter, 2022)Seit 2003 auf Linux; einzelne Fachverfahren laufen per Fernzugriff unter WindowsÄlteste durchgehende OSS-Verwaltung DE
Baden-Württembergknapp 60.000 LehrkräfteProduktivseit 2024 dPhoenix, seit Sommer 2025 auf openDesk migriert
FITKOInternProduktivopenDesk als Steuerungsplattform
ICC Den Haag1.800 ArbeitsplätzeIn MigrationGeopolitisch motiviert (US-Sanktionen)

Misserfolge

ProjektUmfangErgebnisHauptgründe
LiMux München15.000 PCsRückabwicklung 2017IT-Fragmentierung, Fachverfahren, politischer Richtungswechsel
LiMAx Mannheimca. 3.700 PCs, 110 ServerAbbruch 2007 (laut Berichten)Massive technische Probleme
Auswärtiges AmtUnbekanntRückkehr zu MS (2011)Laut Bundesregierung (BT-Drs. 17/4567): Treiber- und Schulungsaufwand, fehlende Funktionen und Interoperabilität

Heute: Schleswig-Holstein

  • In der Übergangsphase liefen beide Systeme parallel; inzwischen sind Microsoft Office und Outlook auf den umgestellten Arbeitsplätzen deinstalliert oder in Deinstallation (Dez. 2025)
  • ODF zum behördlichen Standard erklärt
  • Eigenes OSPO koordiniert Übergang
  • Digitalminister räumt Schulungsprobleme ein
  • Ein Zieljahr für die vollständige Migration nennt die Landesregierung nicht; rund 20 % der Arbeitsplätze hängen wegen Fachverfahren noch an Microsoft Office (Dez. 2025)

Erfahrungswerte aus der Praxis (Schleswig-Holstein)

Aus Schleswig-Holsteins eigenem Migrationsweg – dokumentiert im „Wissenstransfer Open Source”. Es geht um den eigenen OSS-Stack (u. a. Open-Xchange/Thunderbird, LibreOffice, Nextcloud), nicht um openDesk – die Methodik ist aber übertragbar:

  • Aufwandsverteilung: Rund die Hälfte des Migrationsaufwands entfällt auf Change-Management und Support, nicht auf Technik. Empfehlung: mindestens 40 % des Budgets für Change, Schulung und Support-Personal.
  • Zeitplanung: Anforderungserhebung allein 6–8 Monate; rund 25 % Zeitpuffer einplanen. Reale Überschreitungen traten trotzdem auf (Pilot 6→8 Monate).
  • Segmentierung: Die E-Mail-Migration umfasste rund 35.000 Konten – in Schritten von maximal ~5.000 Konten, um beherrschbar zu bleiben.
  • Stolpersteine: ~15 % nutzten private E-Mail-Archive (PST) – das verzögerte die Migration um zwei Wochen; dazu unterschätzte E-Mail-Strukturen und versteckte Abhängigkeiten einzelner Anwendungen.
  • Was wirkte: 14-tägige Retrospektiven (Ursachen statt Schuld), „Floor-Walking”-Vor-Ort-Support, sichtbare Leitungsbeteiligung – diese hob die Mitwirkung spürbar an.
  • Externer Zeitdruck: Auslaufender Support des Microsoft-Vertrags (Oktober 2025) als harter Außentermin.

Damals: LiMux

  • Technisch funktionierte LiMux (15.000 PCs, laut Berichten über 11 Mio. € gespart)
  • Scheiterte an: Mischbetrieb, fehlende Fachverfahren-Strategie, politischer Richtungswechsel, IT-Personalengpässe
  • FSFE: IT-Fragmentierung + schlechtes Projektmanagement + unzureichende interne Kommunikation
  • Ca. 70 % der Nutzenden waren laut damaligen Umfragen zufrieden (laut Medienberichten) — die politische Entscheidung zur Rückkehr 2017 überlagerte diese Perspektive
  • Was in keiner Quelle systematisch erfasst ist: wie der Arbeitsalltag der unterschiedlichen Nutzergruppen konkret aussah. Umfragen messen Zufriedenheit — nicht Prozessqualität

Heute: München — neue Lage seit Mai 2026

  • Mango-Koalition (Grüne/Rosa Liste + SPD + FDP/Freie Wähler) für die Periode 2026–2032
  • Open Source soll Standard für kommunale Software-Beschaffung werden
  • Leitprinzip: Mit Steuergeldern finanzierte Software soll künftig öffentlich zur Verfügung stehen („Public Money, Public Code”)
  • Kein expliziter openDesk-Bezug in der Berichterstattung — die Frage, wie der Beschaffungsgrundsatz konkret umgesetzt wird, ist offen
  • Lehre aus LiMux: diesmal Beschaffungslogik, nicht reines IT-Projekt

ZenDiS bietet kein Change Management — mehr dazu → B.10

Quellen (12)

Was hier dokumentiert ist, basiert auf öffentlich verfügbaren Quellen.
Was nicht dokumentiert ist: wie es sich anfühlt, mittendrin zu stecken.
Wenn du das kennst — als Projektverantwortliche, als IT-Referatsleitung, als betroffene Person —
schreib mir auf LinkedIn oder Mail

Ausblick

Weiterentwicklung von openDesk und europäische Perspektiven

6.1

Was kommt nach openDesk?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

openDesk entwickelt sich in drei Richtungen: europäische Vernetzung (EDIC, 8ra, DINUM-Kooperation), neue Produkte (Docs, KI-Kollaboration), Verbreiterung des Geschäftsmodells (Vertriebspartnerprogramm, Krisenkommunikation).

Detail-Antwort

1. Europäische Dimension:

  • Seit 2024: Kooperation ZenDiS + DINUM (Frankreich). Erstes Ergebnis: Docs/Notizen in openDesk
  • Trilaterales Abkommen Deutschland-Frankreich-Niederlande seit Dezember 2024
  • Niederlande: Das Innenministerium entwickelt mit DAWO einen eigenen Behördenarbeitsplatz auf Linux-Basis; dessen Kollaborationsumgebung MijnBureau nutzt Komponenten aus La Suite, openDesk und Nextcloud (Pilot in 4 Gemeinden seit April 2026) – openDesk-Bausteine werden damit über Deutschland hinaus nachgenutzt
  • Digital Commons EDIC (European Digital Infrastructure Consortium) am 11.12.2025 in Den Haag gestartet; Mitglieder: Deutschland, Frankreich, Niederlande, Italien, Luxemburg; Beobachter u. a. Österreich, Dänemark, Polen, Slowenien, Ungarn, Finnland, Flandern (Stand März 2026)
  • CKKI-Ergebnisse fließen in 8ra-Initiative ein
  • Schweiz: Bundeskanzlei startet Folgeprogramm „souveräne Arbeitsplatzsoftware” für rund 3.000 Beschäftigte ab Ende 2027 (openDesk nicht namentlich genannt) (Sep. 2026, nach Abschluss des PoC BOSS)

2. Neue Produkte & Features:

Produkt/FeatureStatusBeschreibung
Docs/NotizenFester Bestandteil (Notes v5.6.1 in openDesk v1.19.0)Notion-Alternative, gemeinsam mit DINUM entwickelt
KI-gestützte KollaborationIn PlanungRückt verstärkt in den Fokus (FOSDEM 2025)
CKKI-ProjektAbgeschlossen (Jul 2026)openDesk als Notfallarbeitsplatz (DRV Bund, BA, BITMARCK) — positives Ergebnis; öffentlicher Konsultationsprozess für die Ausweitung vom 20.08. bis 24.09.2026
VertriebspartnerprogrammGestartet (23.09.2026)Öffnung für private Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister in drei Kategorien: Official Distributor, Approved Sovereign Service Provider, Approved System Integrator — Auslöser laut ZenDiS-Co-Geschäftsführer Kugler: Mit über 200.000 verkauften Lizenzen (Okt. 2026) konnte ZenDiS die Nachfrage mit der bisherigen Aufstellung nicht mehr bedienen. Seit 13.10.2026 zusätzlich SaaS-Pilotangebot über den govdigital-Marktplatz „Deutschland Digital” (Hosting zunächst durch STACKIT), vollproduktiv ab Januar 2027; erste zugelassene Partner (14.10.2026): STACKIT als Sovereign Service Provider, B1 Systems und DACHS IT als Systemintegratoren; Zulassungsverfahren bis 31.01.2027 geöffnet
Open Productivity Software GmbHGegründet (Okt. 2026)Neues, eigenständiges Joint Venture sechs openDesk-Komponentenhersteller (Collabora, Element, Nordeck, Open-Xchange, Univention, XWiki); soll openDesk gemeinsam mit ZenDiS bei Unternehmen und Betreibern kritischer Infrastruktur etablieren, auch international — Erweiterung über die öffentliche Verwaltung hinaus

3. Frankreichs LaSuite als Referenz:

  • 7 Kernkomponenten: Tchap (Zielgruppe laut Fachpresse rund 600.000 Bedienstete), Visio, Docs, Fichiers, Grist, France Transfert, KI-Assistent (Mistral AI)
  • Rundschreiben des Premierministers vom 25.07.2025: Tchap ist ab 1. September 2025 in der gesamten Verwaltung und den Ministerkabinetten zu verwenden
  • Frankreich ist weiter als Deutschland: LaSuite bereits verpflichtend, openDesk noch optional

Europäische Parallelen im Detail → B.11

4. Strukturelle Entwicklungen:

  • Geplantes Digitalcenter (Planungsstand im Digitalausschuss, März 2026): Koordinations-Dachstruktur, die u. a. ITZBund, ZenDiS, DigitalService, Teile der Bundesdruckerei, GovTech Deutschland und PD bündeln soll — keine Fusion, ZenDiS und DigitalService bleiben eigenständige Organisationen
  • Länderbeitritte: Weiterhin blockiert, aber politisch gewollt
  • MPK-Beschluss „Föderale Modernisierungsagenda”: Bund und Länder haben sich verpflichtet, bis 31. März 2027 digital souveräne Alternativen zu proprietären IT-Arbeitsplätzen bereitzustellen — wörtlich bestätigt in Bundestag-Drucksache 21/5502 (22.04.2026)
  • openDesk bei Version 1.19.3 (21. Oktober 2026), monatlicher Release-Zyklus
  • Mit der Open Productivity Software GmbH entsteht erstmals eine kommerzielle Vermarktungsstruktur für openDesk außerhalb der öffentlichen Verwaltung — komplementär zu ZenDiS, das weiterhin für den Behördeneinsatz zuständig bleibt
Quellen (28)
6.2

Was ist der Deutschland-Stack — und was gehört dazu?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Der Deutschland-Stack ist der im Koalitionsvertrag 2025 verankerte Plan für ein gemeinsames technisches Fundament der deutschen Verwaltung — federführend beim BMDS und seit dem Beschluss des IT-Planungsrats vom 18. März 2026 verbindlich. Dazu gehören fünf zentrale Basisdienste (von der digitalen Identität bis zur Bezahlfunktion), fachunabhängige Plattformen wie KI-Dienste sowie eine souveräne Cloud-Infrastruktur, zusammengehalten von verbindlichen Standards. openDesk dagegen kommt in den offiziellen Dokumenten zum Deutschland-Stack nicht vor — das Digitalministerium führt es als eigenes Vorhaben „Souveräner Arbeitsplatz”.

Detail-Antwort

1. Die Idee: ein gemeinsames Fundament statt 17 Einzellösungen

Das Beschlussdokument nennt den Deutschland-Stack das „Betriebssystem der Staatsmodernisierung”. Gemeint sind drei Ebenen, die Bund, Länder und Kommunen künftig gemeinsam nutzen sollen:

  • Plattformkern mit fünf Basisdiensten — die Dinge, die jede Behörde braucht: digitale Identität (eID, BundID, EUDI-Wallet), Postfach, Datenaustausch (FIT-Connect), Datenabruf aus Registern (NOOTS), Bezahlfunktion
  • Fachunabhängige Plattformen — z. B. KI-Dienste (KIPITZ), Workflow-Werkzeuge und ein Marktplatz für Verwaltungssoftware
  • Infrastruktur und Betrieb — Entwicklung über openCode, Cloud-Betrieb über die Deutsche Verwaltungscloud (DVC) als Multicloud

Dazu kommen verbindliche Standards in sieben Technologie-Ebenen — von Künstlicher Intelligenz über Cloud und IT-Sicherheit bis Workflowautomatisierung — (fortgeschrieben im Föderalen IT-Standardisierungsboard) und eine Technologie-Landkarte mit den empfohlenen Basistechnologien. Das BMDS beschreibt den Plattformkern als „Digital Public Infrastructure” (DPI) und nennt als Leitprinzipien unter anderem API-First, Ende-zu-Ende-Digitalisierung und „Managed Services only”; eingekauft werden sollen Lösungen „primär am europäischen Markt” oder als Open Source entwickelt — in der Reihenfolge Wiederverwenden vor Einkaufen vor Selberbauen, proprietäre Software nur als begründete Ausnahme.

2. Seit März 2026 verbindlich beschlossen

Mit Beschluss B-2026/03-IT (49. Sitzung, 18.03.2026) haben Bund und Länder im IT-Planungsrat festgelegt: Der Bund führt, die Eckpunkte des Plattformkerns und ein erstes Portfolio stehen, die Standards-Anlage ist „verbindliche Grundlage”. Zuvor liefen zwei öffentliche Konsultationsrunden (Oktober–November 2025 und Januar–Februar 2026); parallel hat auch die Digitalministerkonferenz Umsetzungsaufträge erteilt (zentrales Cloud-Hosting-Angebot, gemeinsame Plattform-Basis, offene und anschlussfähige Ausgestaltung). Der Deutschland-Stack wird laut BMDS iterativ bis 2028 aufgebaut. Verbindlich heißt dabei nicht vollständig: Nach Feststellung des Bundesrechnungshofs hat der IT-Planungsrat zunächst 49 der 128 vom BMDS erarbeiteten Standards beschlossen — wesentliche Festlegungen, etwa zu Künstlicher Intelligenz, IT-Sicherheit und Low-Code, stehen noch aus. Bei der Finanzierung gilt ein Tauschprinzip: Der Bund finanziert die Entwicklung der fünf Basisdienste vollständig — im Gegenzug verpflichten sich Länder und Kommunen, sie in ihren Fachverfahren einzubinden und zu nutzen. Die konkreten Finanzierungs- und Bezugswege für den laufenden Betrieb werden dagegen noch geprüft (Stand August 2026).

3. Gehört openDesk dazu? In den offiziellen Dokumenten: nein

  • Weder das offizielle Gesamtbild noch das beschlossene Portfolio noch die Technologie-Landkarte nennen openDesk oder ZenDiS.
  • Im Stack stehen dagegen zwei Projekte aus dem direkten openDesk-Umfeld: openCode (die Open-Source-Plattform, auf der openDesk entwickelt wird) und die Deutsche Verwaltungscloud.
  • Das BMDS führt openDesk stattdessen unter der eigenen Rubrik „Souveräner Arbeitsplatz” — mit dem Ziel, der Bundesverwaltung bis Oktober 2028 eine souveräne Alternative zu proprietären IT-Arbeitsplätzen bereitzustellen.
  • Minister Wildberger nannte auf der re:publica 2026 beide Vorhaben in einer Rede — den Stack als Fundament, openDesk als „erste vollständig Open-Source-basierte Arbeitsplatz-Suite für die Bundesverwaltung” — ohne openDesk zum Stack-Baustein zu erklären.
  • Im Fachdiskurs wird openDesk dagegen längst als natürlicher Kandidat behandelt; in Stellungnahmen zur Konsultation wurde eine „Inventur erfolgreicher bestehender Systeme” gefordert.
  • Auch im einstündigen BMDS-Webinar zum Deutschland-Stack (August 2026, Mitschnitt in den Quellen) fiel openDesk kein einziges Mal — openCode und Verwaltungscloud wurden dagegen als tragende Bausteine vorgestellt.

Ob diese Trennung eine bewusste Architektur-Entscheidung ist (der Stack liefert Fundament und Basisdienste, Anwendungen wie openDesk docken später an) oder eine noch offene Governance-Frage, lässt sich aus den veröffentlichten Dokumenten nicht ablesen.

4. Die Debatte: Wie offen wird das Fundament?

  • Bundesrechnungshof (Bericht an den Haushaltsausschuss, 31.07.2026 — nicht offiziell veröffentlicht, dokumentiert von netzpolitik.org): Die Meilensteinplanung kam erst ein Jahr nach dem Startbeschluss und lässt Abhängigkeiten und Risiken zwischen den Projekten außen vor; ein übergreifendes Berichtswesen fehlte; die Basisdienste wurden beschlossen, bevor feststeht, ob sie zu den Standards konform sind. Die Technologie-Landkarte macht zudem nicht kenntlich, welche Standards verbindlich beschlossen sind — sie schaffe „mehr Unsicherheit, als dass sie als verlässliche Planungsgrundlage dient”.
  • OSB Alliance: Open Source, offene Standards und Schnittstellen müssen verpflichtende Kriterien sein — nicht nur „Kann”-Regeln. Warnung vor „Souveränitäts-Washing” durch proprietäre Cloud-Angebote unter Souveränitäts-Etikett.
  • Bitkom: Gegenposition — Technologieoffenheit statt Open-Source-Exklusivität, Teilnahmebedingungen auch für internationale Anbieter.
  • D64: Warnung vor einem „zentralistischen Monolithen”; Forderung nach „Public Money, Public Code” und föderaler Mitgestaltung.
  • Zivilgesellschaft (Bündnis F5): Kritik an der Beteiligung — Konsultations-Workshops liefen vor allem mit Wirtschaftsverbänden.

5. Nicht verwechseln: „Deutschland-Stack” und „eigener Stack”

Wenn Schleswig-Holstein einen „eigenen Stack” baut (B.15), ist ein selbst zusammengestellter Baukasten aus Open-Source-Komponenten gemeint. Der Deutschland-Stack ist etwas anderes: die nationale, verbindliche Rahmenarchitektur, in die sich solche Lösungen künftig einfügen sollen.

Notizen

  • Verhältnis zur Föderalen Modernisierungsagenda (6.1): Die Agenda ist das politische Reformprogramm mit Fristen (z. B. souveräne IT-Arbeitsplätze bis 31.03.2027), der Deutschland-Stack das technische Fundament dazu.
  • Für den Basisdienst EUDI-Wallet haben BMDS und Bitkom ein Memorandum of Understanding geschlossen — mit über 100 unterzeichnenden Unternehmen (Stand August 2026).
  • Eine Gesamtauswertung der beiden Konsultationsrunden hat das BMDS bislang nicht veröffentlicht.
  • Europäische Anschlussfähigkeit ist erklärtes Ziel des Stacks — die Verbindung zu europäischen Initiativen wie dem EDIC (B.11) bleibt aber bisher Absichtserklärung, kein beschlossenes Mapping.
Quellen (15)

Was hier offen bleibt, bleibt offen — absichtlich.
Welche dieser Fragen betrifft dich direkt?

Bonus-Fragen

Hintergrund, Entwicklung und Einordnung

B.1

Was war dPhoenixSuite und warum wurde es eingestellt?

Vertiefung zu Fragen 1.1 und 4.12 ← Zurück zu 1.1 | ← Zurück zu 4.12

dPhoenixSuite war Dataports eigene Open-Source-Arbeitsplatzlösung – Vorgänger von openDesk, auf denselben Kernkomponenten (u. a. Nextcloud, Collabora, Open-Xchange). Dataport hat sein Programm Phoenix 2025 beendet (Gesamtverlust rund 90 Mio. €, davon 36,5 Mio. € Sonderabschreibung) und die Community-Version Anfang 2024 an ZenDiS übergeben. Die Technik-Basis lebt in openDesk weiter, die Federführung liegt seither bei ZenDiS. Baden-Württemberg startete 2024 auf dPhoenix-Basis (knapp 60.000 Lehrkräfte) und stellte Sommer 2025 auf openDesk um. Kurz: dPhoenix = Dataport-Produkt, openDesk = Bundesprodukt unter ZenDiS-Regie.

Quellen (3)
B.2

Das Fundament, das schon da war

Stand: Oktober 2026

openDesk ist kein Neustart bei null. Alle Kernkomponenten existierten als reife OSS-Produkte:

KomponenteSeitReifegrad
Nextcloud2016>500.000 Server weltweit (Herstellerangabe, Ende 2025)
Open-Xchange2005Enterprise-Markt etabliert
Collabora Online2016LibreOffice-basiert
Element/Matrix2014Bundeswehr, franz. Regierung
OpenProject2012eigenständiges Open-Source-Projekt, u. a. bei Bundesbehörden im Einsatz
XWiki200420 Jahre Entwicklung

Die Innovationsleistung liegt in der Integration, nicht in der Entwicklung.

Quellen (2)
B.3

Welche Sicherheitskooperationen bestehen?

Stand: Oktober 2026

openDesk läuft bei Cloud-Anbietern mit C5-Testat (geprüft nach dem Kriterienkatalog des BSI):

  • STACKIT (Schwarz-Gruppe): C5-Testat, hostet openDesk als SaaS
  • IONOS, STACKIT, T-Systems: betrieben die openDesk-Instanzen im CKKI-Projekt (im Juli 2026 abgeschlossen)
  • BSI C5 = Kriterienkatalog des BSI für sichere Cloud-Dienste; aktuelle Fassung C5:2026 (veröffentlicht April 2026)

Wichtige Abgrenzung: Ein C5-Testat hat die Hosting-Infrastruktur (z. B. STACKIT) — nicht openDesk als Anwendung selbst (kein eigenes BSI-Testat für die Anwendung).

Quellen (5)
B.4

Aktuelle Entwicklungen 2025/2026

Stand: Oktober 2026

DatumEntwicklung
Apr 2025Horstmann vom BMI abberufen
Jul 2025Frankreich: Tchap für alle Ministerien verpflichtend
Sep 2025SH: Digitalminister räumt Schulungsprobleme ein
Nov 2025Krosta-Hartl neue GF; EDIC-Ankündigung EU-Gipfel Berlin
Dez 2025SH: knapp 80 % der Arbeitsplätze (außerhalb der Steuerverwaltung) auf LibreOffice; >15 Mio. € Lizenzkosten gespart; EDIC offiziell gegründet (D/F/NL/IT)
Jan 2026CKKI-Projekt Kickoff
Mär 2026IT-Planungsrat beschließt den Deutschland-Stack (B-2026/03-IT): verbindliche Standards und gemeinsamer Plattformkern aus fünf Basisdiensten — openDesk gehört nicht zum beschlossenen Portfolio
Q1 2026Vertriebspartnerprogramm Ausschreibung erfolgreich durchgeführt
Apr 2026openDesk Newsletter Launch; Pockrandt verlässt ZenDiS, Leonhard Kugler wird am 09.04. Geschäftsführer mit Zuständigkeit für Entwicklung und kaufmännischen Bereich (Krosta-Hartl: Markt/Kunden)
Jul 2026Schweizer Armee (Kommando Cyber, Einheit CEA) migriert bis Oktober 2026 auf openDesk — wegen Microsoft-Cloud-Mandat und US Cloud Act
Jul 2026CKKI-Projekt abgeschlossen — openDesk als Notfallarbeitsplatz für Sozialversicherer positiv bewertet
Aug–Sep 2026Öffentlicher Konsultationsprozess zu openDesk als Notfallarbeitsplatz (20.08.–24.09.2026)
Sep 2026Schweizer Bundeskanzlei: PoC BOSS (Machbarkeitsstudie, 172 Testpersonen) abgeschlossen, Folgeprogramm „souveräne Arbeitsplatzsoftware” für rund 3.000 Beschäftigte ab Ende 2027 gestartet (1. Phase ca. 9 Mio. CHF; openDesk nicht namentlich genannt)
Sep 2026Vertriebspartnerprogramm startet (23.09.): ZenDiS öffnet openDesk erstmals für private Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister in drei Kategorien — Official Distributor, Approved Sovereign Service Provider, Approved System Integrator
Sep 2026Bundesdruckerei-Gruppe und ZenDiS vereinbaren Partnerschaft (29.09., Letter of Intent): openDesk soll über das Sicherheitspaket genusecure Suite der Bundesdruckerei-Tochter genua VS-NfD-konform absicherbar werden — für mobile Arbeitsplätze und Behördenstandorte mit erhöhtem Schutzbedarf
Okt 2026govdigital/ZenDiS: openDesk ab 13.10. als SaaS-Pilotangebot über den Marktplatz „Deutschland Digital” buchbar (Hosting zunächst durch STACKIT), vollproduktiv ab Januar 2027
Okt 2026Erste zugelassene Partner im Partnerprogramm (14.10.): STACKIT als Approved Sovereign Service Provider, B1 Systems und DACHS IT als Approved System Integrator; Zulassungsverfahren bis 31.01.2027 geöffnet
Okt 2026ZenDiS meldet mehr als 200.000 verkaufte openDesk-Lizenzen; Co-Geschäftsführer Kugler räumt ein, man habe die enorme Nachfrage mit der bisherigen Aufstellung nicht bedienen können — Vertrieb wird auf Partner verlagert
Okt 2026Sechs openDesk-Komponentenhersteller (Collabora, Element, Nordeck, Open-Xchange, Univention, XWiki) gründen die Open Productivity Software GmbH, um openDesk gemeinsam mit ZenDiS bei Unternehmen und Betreibern kritischer Infrastruktur zu etablieren, auch international
Okt 2026openDesk v1.19.3 (21.10.) — aktuelles Release (Patch-Linie auf v1.19.0, u. a. Whiteboard-Komponente); alle bisherigen Versionen in der Release-Übersicht (siehe Quellen)
Quellen (19)
B.5

Welche organisatorischen Einheiten sind Zielgruppe?

Stand: Oktober 2026

  • Primär: Organisationen der öffentlichen Verwaltung – die Enterprise Edition bietet ZenDiS mit Staffelpreisen an; die Community Edition ist frei verfügbar
  • Kommunen: vergabefrei über die govdigital-Genossenschaft (für deren Mitglieder)
  • Nutzer (Beispiele): Robert Koch Institut (Agora-Plattform für den öffentlichen Gesundheitsdienst), FITKO, Teile der Bundeswehr über BWI (laut Medienberichten)
  • Sozialversicherer: Deutsche Rentenversicherung Bund und Bundesagentur für Arbeit im CKKI-Projekt (im Juli 2026 abgeschlossen)
  • International: ICC Den Haag (laut Medienberichten rund 1.800 Arbeitsplätze)
  • Seit September 2026: Partnerprogramm – private Cloud-Anbieter und IT-Dienstleister können openDesk vertreiben und betreiben
Quellen (4)
B.6

Wie kann BaWü 60.000 Lizenzen nutzen ohne Gesellschafter zu sein?

Stand: Oktober 2026

Baden-Württemberg hat den Digitalen Arbeitsplatz für Lehrkräfte seit 2024 auf Basis von dPhoenix an knapp 60.000 Lehrkräfte ausgerollt – seit Sommer 2025 läuft er auf openDesk. Für die Lehrkräfte änderte sich kaum etwas, weil openDesk dieselben Komponenten nutzt (Open-Xchange, Nextcloud, Collabora).

Beschaffung ohne Gesellschafterstatus: BaWü ist kein ZenDiS-Gesellschafter und kauft kein „ZenDiS-Lizenzpaket”. Stattdessen wird der Arbeitsplatz über die IT-Dienstleister Dataport und govdigital integriert und betrieben, die Bausteine kommen direkt von den Herstellern (Univention, Open-Xchange, Nextcloud, Collabora); die openDesk-Umsetzung erfolgt gemeinsam mit ZenDiS.

Zur Finanzierung (Einordnung): Einen Lizenzpreis hat das Land nicht veröffentlicht. Bezogen werden Integrations-, Hosting- und Betriebsleistungen über Dienstleister (Dataport, govdigital) – also eher ein Dienstleistungs- als ein Lizenzmodell. Das zeigt: openDesk-Nutzung ist auch ohne formale GmbH-Gesellschafterschaft möglich – über Direktvergabe, govdigital und Dienstleister.

Quellen (3)
B.7

Arbeitet FITKO zu 100% mit openDesk?

Nein. FITKO nutzt openDesk produktiv für bestimmte Bereiche, nicht als vollständigen Arbeitsplatzersatz.

Konkret im Einsatz:

  • OpenProject: Sitzungsmanagement (FIT-SB)
  • Nextcloud: Dateiablage
  • Collabora Online: Dokumentenbearbeitung
  • Jitsi: Videokonferenzen
  • Eigene Integrationen via REST-API

Der Einsatz ist öffentlich dokumentiert auf fitko.de und openproject.org.

Quellen (2)
B.8

Wer sind die aktuellen Gesellschafter von ZenDiS?

Stand: Oktober 2026

100% Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch BMDS (ehem. BMI). Eine Öffnung für die Länder war von Anfang an für eine zweite Phase geplant. Der Antrag nach § 65 BHO liegt seit August 2024 bei Bundesfinanzministerium und Bundesrechnungshof; einen Zeitplan gibt es nicht (Stand April 2026).

Quellen (3)
B.9

Was ist das Mischverwaltungsverbot und wie blockiert es ZenDiS?

Stand: Oktober 2026

Vertiefung zu Frage 4.4 — Warum sind die Länder ZenDiS bis heute nicht beigetreten? ← Zurück zu 4.4

Das Mischverwaltungsverbot (Art. 83 ff. GG) verbietet gemeinsame Verwaltung von Bund und Ländern. Der Länderbeitritt zu einer Bundes-GmbH berührt genau diese Grenze – denn wenn Länder Gesellschafter einer Bundes-GmbH werden, üben sie gemeinsam mit dem Bund Verwaltungsfunktionen aus.

Konkrete Hürde: § 65 BHO verlangt die Einwilligung des Bundesfinanzministeriums, bevor der Bund sich an Unternehmen beteiligt oder Beteiligungen ändert. Den Antrag für das Beteiligungsmodell hat der Bund am 1. August 2024 an Bundesfinanzministerium und Bundesrechnungshof übermittelt; laut Bundesregierung geht es dabei „unter anderem” um das Mischverwaltungsverbot. Beschieden ist er bis heute nicht (Stand April 2026).

Gegenbeispiel FITKO: FITKO wurde 2020 per Staatsvertrag als AöR gegründet – eine Rechtsform, die explizit für Bund-Länder-Kooperationen geschaffen ist. Grundlage ist Art. 91c GG mit dem IT-Staatsvertrag. Für ZenDiS existiert keine vergleichbare Verfassungsgrundlage.

Zwei denkbare Wege:

  1. Beitritt zur GmbH: Gesellschaftsvertrag und Beitrittsvereinbarung anpassen, Antrag nach § 65 BHO bescheiden – so beschreibt es die Bundesregierung.
  2. Umwandlung in eine AöR wie FITKO: Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern, Ratifizierung in den Landesparlamenten – Zeitrahmen mehrere Jahre.

Fokus dieser Seite: Mischverwaltungsverbot und Länderbeitritts-Blockade. GmbH vs. AöR Rechtsformvergleich → B.13

Quellen (4)
B.10

Bietet ZenDiS auch Change-Management-Beratung?

Stand: Oktober 2026

Vertiefung zu Frage 5.5 — Gibt es dokumentierte Erfolgsgeschichten – und Misserfolge? ← Zurück zu 5.5

Nein – nicht öffentlich dokumentiert. ZenDiS ist Produktorganisation, nicht Beratung. Change Management wird von privaten Dienstleistern (DACHS IT, B1 Systems) und vom öffentlichen IT-Dienstleister Dataport angeboten. Seit September 2026 bündelt ein Partnerprogramm zugelassene Systemintegratoren, Service-Provider und Distributoren; weitere Partnerkategorien hat ZenDiS angekündigt.

Zentrale Lücke

Kein öffentlicher Akteur bietet:

  • Schulungskonzepte
  • Change-Management-Frameworks
  • UX-Research zu Nutzerakzeptanz
  • Migrationserfahrungsberichte
Quellen (3)
B.11

Gibt es europäische Parallelen?

Stand: Oktober 2026

Vertiefung zu Frage 6.1 — Was kommt nach openDesk? ← Zurück zu 6.1

Deutschland ist nicht allein. Mehrere europäische Länder verfolgen parallel eigene Open-Source-Strategien für staatliche IT. Manche sind weiter, manche langsamer – aber der Trend ist eindeutig.

LandProjektStatus
FrankreichLaSuite Numérique (DINUM)7 Module; Tchap per Rundschreiben ab 1. September 2025 in der Verwaltung vorgeschrieben (Zielgruppe laut Fachpresse rund 600.000 Bedienstete)
NiederlandeTrilaterale Kooperation mit Deutschland und Frankreich (seit Dez. 2024); eigener Behördenarbeitsplatz DAWO des Innenministeriums (Linux NixOS) mit der Kollaborationsumgebung MijnBureauGründungsmitglied des Digital Commons EDIC (Dez. 2025); MijnBureau kombiniert Komponenten aus La Suite, openDesk und Nextcloud; seit April 2026 Pilot in 4 Gemeinden
Internationaler Strafgerichtshof (Den Haag)Internationale Organisation, kein StaatUmstellung auf openDesk angekündigt (Okt. 2025; laut Medienberichten rund 1.800 Arbeitsplätze)
SchweizKommando Cyber + Einheit CEA (Militär); Bundeskanzlei (zivil)Militär: Migration auf openDesk bis Oktober 2026; Bundeskanzlei: Folgeprogramm „souveräne Arbeitsplatzsoftware” für rund 3.000 Beschäftigte ab Ende 2027 (Sep. 2026 gestartet, nach Abschluss PoC BOSS; openDesk nicht namentlich genannt) — beide wegen US Cloud Act / digitaler Souveränität
ÖsterreichBundesheer16.000 PCs von Microsoft Office auf LibreOffice umgestellt (laut Bundesheer im Interview, 2026); Österreich ist Beobachter im EDIC
DänemarkDigitalministeriumPilot ab Sommer 2025: rund die Hälfte der Mitarbeitenden sollte von Office 365 auf LibreOffice wechseln (laut DR, Juni 2025); Dänemark ist Beobachter im EDIC
ItalienVerteidigungsministeriumMigrationsprojekt „LibreDifesa”: Ziel rund 150.000 Arbeitsplätze auf LibreOffice (laut Fachpresse; Abschluss nicht belegt)
EUDigital Commons EDICAm 11.12.2025 in Den Haag gestartet; Mitglieder: Deutschland, Frankreich, Niederlande, Italien, Luxemburg; Beobachter u. a. Österreich, Dänemark, Polen, Slowenien, Ungarn, Finnland, Flandern (Stand März 2026)

Was diese Länder verbindet: Keines startet aus ideologischen Gründen – alle reagieren auf konkrete Risiken: CLOUD Act, US-Sanktionen (ICC-Fall), Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter. Digitale Souveränität ist inzwischen geopolitisches Kalkül.

Gartner (weltgrößtes IT-Marktforschungsunternehmen): 61 % der befragten CIOs und IT-Verantwortlichen in Westeuropa sagen, dass geopolitische Faktoren sie stärker auf lokale oder regionale Cloud-Anbieter setzen lassen (Umfrage 2025).

Quellen (15)
B.12

Der ICC Den Haag — ein geopolitisches Signal für Europa

Stand: Oktober 2026

Vertiefung zu Frage 1.1 — Was ist openDesk und wer entwickelt es? ← Zurück zu 1.1

Kurz-Antwort

Der Internationale Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag migriert seit Oktober 2025 seine 1.800 Arbeitsplätze auf openDesk. Auslöser: US-Sanktionen gegen ICC-Chefankläger Karim Khan — in deren Folge sein dienstliches Microsoft-E-Mail-Konto abgeschaltet wurde. Der ICC ist damit zum prominentesten internationalen Beleg dafür geworden, dass digitale Abhängigkeit von US-Konzernen ein operatives Risiko ist – nicht nur ein politisches.

Detail-Antwort

Was passierte: Im Februar 2025 verhängten die USA (Executive Order 14203) Sanktionen gegen Chefankläger Karim Khan wegen Ermittlungen gegen israelische und US-amerikanische Staatsbürger; in der Folge wurde sein dienstliches Microsoft-Konto abgeschaltet. Wie genau, war umstritten: Vor dem britischen Unterhaus sagte ein Microsoft-Vertreter zunächst, das sei „die Entscheidung des ICC gewesen, nicht die von Microsoft” (10.02.2026). Gut eine Woche später bat Microsoft den Ausschuss, das Protokoll zu korrigieren, und entschuldigte sich für die „Ungenauigkeit” (18.02.2026). Nach der korrigierten Darstellung verwies Microsoft auf die Sanktionen und stellte den ICC vor die Wahl, Khans Zugang zu beenden — andernfalls seien die Dienste für die gesamte Organisation gefährdet; der ICC vollzog die Abschaltung daraufhin formell. Microsofts Linie bleibt: Man habe die Dienste für den ICC „zu keinem Zeitpunkt eingestellt”.

Warum das strukturell bedeutsam ist:

  • Der ICC ist eine internationale Institution mit Rechtspersönlichkeit – er unterliegt keinem nationalen Recht
  • Trotzdem konnte eine US-Sanktionslage den Zugang zu seinen Kommunikationsmitteln gefährden — unabhängig davon, wer den letzten Schritt formal ausführte
  • Das zeigt das Kern-Risiko von CLOUD Act-Abhängigkeit: US-Unternehmen können unter politischem Druck geraten, auch wenn kein nationales Recht in Den Haag es verlangt

Der Unterschied zur deutschen openDesk-Initiative:

  • Die deutsche openDesk-Initiative begann 2019 – der ICC-Fall ist kein Auslöser, sondern ein Beleg
  • Der ICC-Fall macht abstrakte Souveränitätsdebatten konkret: Was passiert, wenn ein US-Konzern im Geopolitik-Konflikt steht?
  • Er ist der erste hochprofile Fall, bei dem openDesk als Reaktion auf US-Sanktionen eingesetzt wird

Signalwirkung für Europa: Der ICC-Fall gilt in der Debatte als ein Auslöser dafür, dass Frankreich, die Niederlande, Dänemark und weitere EU-Länder ihre Open-Source-Initiativen beschleunigten. Das Digital Commons EDIC (European Digital Infrastructure Consortium) genehmigte die EU-Kommission am 29.10.2025; gegründet wurde es am 11.12.2025 in Den Haag.

Notizen

  • Der ICC-Fall wird in der Verwaltungs-IT-Community als „Wake-up Call” bezeichnet
  • 1.800 Arbeitsplätze entsprechen knapp 2 % der rund 100.000 openDesk-Arbeitsplätze (Stand Juli 2026) — aber mit unverhältnismäßig hoher Sichtbarkeit
  • Karim Khan wurde am 24.07.2026 von der Versammlung der Vertragsstaaten als ICC-Chefankläger abgesetzt
Quellen (9)
B.13

Warum kann ZenDiS nicht einfach alle Länder einbinden?

Stand: Oktober 2026

Vertiefung zu Frage 4.5 — Warum funktioniert FITKO mit allen 16 Ländern, ZenDiS aber nicht? ← Zurück zu 4.5

Kurz-Antwort

ZenDiS ist eine GmbH des Bundes – ein Länderbeitritt muss daher verfassungsrechtlich geprüft werden (u. a. Mischverwaltungsverbot, Art. 83 ff. GG). FITKO ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR), gegründet per Staatsvertrag – das ermöglicht Bund und allen 16 Ländern als gleichberechtigte Träger. Für openDesk ist diese Rechtsform-Frage kein technisches Detail, sondern der wichtigste strukturelle Hebel.

Detail-Antwort

Das Mischverwaltungsverbot: Art. 83 ff. GG verbietet gemeinsame Verwaltung von Bund und Ländern. Ein Länderbeitritt zu einer Bundes-GmbH muss daraufhin geprüft werden. Der Antrag nach § 65 BHO liegt seit August 2024 bei Bundesfinanzministerium und Bundesrechnungshof (Stand April 2026: kein Zeitplan).

GmbH (ZenDiS)AöR (FITKO, Dataport)
GründungSchnell, kein Staatsvertrag nötigErfordert Staatsvertrag aller Beteiligten
LänderbeitrittIn Prüfung (u. a. Mischverwaltungsverbot)Verfassungskonform (Art. 91c GG, IT-Staatsvertrag)
EntscheidungenSchnell, flexibelTräger, Konsensprinzip
FinanzierungProjektaufträge, keine GrundfinanzierungStabile Trägerfinanzierung
KontrolleBund alleingemeinsame Träger (bei FITKO: Bund + alle Länder)

Warum ZenDiS als GmbH gegründet wurde: Schnelle Handlungsfähigkeit in der Aufbauphase — kein langer Staatsvertragsprozess. Der Nachteil wurde in Kauf genommen, weil die Dringlichkeit hoch war. Heute zeigt sich: Die Rechtsform ist das strukturelle Hauptproblem für die Skalierung.

Was als Lösung diskutiert wird: Umwandlung in eine AöR per Staatsvertrag — wie FITKO. Erfordert politischen Willen aller 16 Länder und des Bundes. Zeitrahmen: mehrere Jahre.

Notizen

  • Die AöR-Diskussion läuft seit 2022 intern — öffentliche Positionierung fehlt
  • Alternativmodell: Einbindung in das geplante Digitalcenter des Bundes — eine Koordinations-Dachstruktur, keine Fusion; ZenDiS bliebe eigenständig, die Rechtsform-Frage bleibt damit ungelöst

Überblick aller Rechtsformen in der Verwaltungs-IT → B.14

Quellen (5)
B.14

Warum gibt es so viele verschiedene Organisationsformen in der Verwaltungs-IT?

Stand: Oktober 2026

Das deutsche Grundgesetz trennt Bund und Länder strikt (Art. 83 ff. GG). Gemeinsame Verwaltung ist die Ausnahme, nicht die Regel. Deshalb braucht jede Kooperationsform eine eigene verfassungsrechtliche Grundlage — was die Vielfalt der Organisationsformen erklärt.

Die wichtigsten Formen im openDesk-Kontext

RechtsformBeispielVorteilNachteil
BundesbehördeBSI, ITZBundVolle staatliche KontrolleTräge, keine Eigenfinanzierung
GmbHZenDiSSchnell, flexibelLänderbeitritt verfassungsrechtlich problematisch
AöR (Anstalt des öffentlichen Rechts)FITKO, DataportAlle Länder einbeziehbarStaatsvertrag nötig, Konsensprinzip
LandesbetriebIT.NRWEinfach zu gründenNur ein Land, keine Bund-Kooperation
Eingetragene Genossenschaft (eG)govdigitalVergabefrei, schnelle MitgliedschaftKein staatlicher Hoheitsauftrag
Eingetragener Verein (e.V.)OSB AllianceUnabhängig, politisch freiNur Lobbying, keine Hoheitsaufgaben
Eingetragener Verein (e.V.)BitkomBreite MitgliedschaftInteressenkonflikte

Wie es dazu kam

Jede Organisation entstand zu einem anderen Zeitpunkt, für einen anderen Zweck und auf einer anderen föderalen Ebene — ohne übergeordnete Systematik. Das föderale System erlaubt diese Vielfalt, erzeugt sie aber auch zwangsläufig.

Warum das für ZenDiS konkret relevant ist → B.13

Quellen (2)
B.15

Warum setzt Schleswig-Holstein auf einen eigenen Stack statt auf openDesk?

Stand: Oktober 2026

Kurz-Antwort

Schleswig-Holstein stellt seinen Büroarbeitsplatz auf einen selbst zusammengestellten Open-Source-Stack um (LibreOffice, Open-Xchange/Thunderbird, perspektivisch Linux) – nicht auf das Bundespaket openDesk. Das ist weniger eine Abkehr von openDesk als ein eigener, früherer Weg: SH begann Jahre vor openDesks Marktstart, begründet seine Strategie offiziell mit einer „vielfältigen Anbieterlandschaft” statt eines Einzelprodukts – und ist bis heute nicht einmal Gesellschafter der openDesk-Trägerin ZenDiS.

Detail-Antwort

1. SH war früher dran als openDesk

  • SHs Open-Source-Weg läuft seit rund 2019/2020 (Dataport-Programm „Phoenix”); der Kabinettsbeschluss zum Umstieg fiel im April 2024.
  • openDesk 1.0 erschien erst im Oktober 2024 – als SHs Migration bereits im Gange war.

2. Offizielle Begründung: Vielfalt statt Einzelprodukt

  • O-Ton der Open-Source-Strategie (25.11.2024): „Die Unabhängigkeit von einzelnen IT-Anbietern wird durch eine vielfältige Anbieterlandschaft, offene Standards und Open Source Systeme gewährleistet.”
  • In dieser Logik wählt SH einzelne Bausteine und integriert sie selbst, statt ein vorpaketiertes Komplettprodukt zu beziehen.

3. Was SH konkret einsetzt (Stand Sep. 2026)

  • LibreOffice als verbindlicher Office-Standard – auf nahezu 80 % der Arbeitsplätze
  • Open-Xchange + Thunderbird statt Exchange/Outlook – fast 44.000 Postfächer migriert
  • Linux am Desktop (Projekt „+1.Linux Arbeitsplatz”): seit September 2026 arbeitet die Staatskanzlei auf Linux (über 200 Arbeitsplätze), die Ministerien und Landesbehörden folgen schrittweise; Ziel ist der Open-Source-Arbeitsplatz für die rund 30.000 Beschäftigten der Landesverwaltung, ein Zieljahr nennt die Landesregierung nicht
  • über 15 Mio. € Lizenzkosten eingespart
  • Die offizielle SH-Mitteilung nennt openDesk dabei nicht.

4. openDesk vs. SH-Stack: gleicher Baukasten, anderes Lieferprinzip

  • openDesk = vorintegrierte, zentral betriebene Suite (u. a. Office im Browser über Collabora, Mail/Cloud unter einer Oberfläche, Single-Sign-On über Univention Nubus).
  • SH-Stack = einzeln ausgewählte, überwiegend Desktop-orientierte Komponenten, selbst betrieben.
  • Beide schöpfen aus demselben Open-Source-Baukasten (z. B. Open-Xchange, Nextcloud) – der Unterschied liegt im Bezugs- und Betriebsmodell.

5. Der strukturelle Haken: SH ist kein ZenDiS-Gesellschafter

  • Schleswig-Holstein gehörte zu den acht Ländern, die am 29. April 2022 gemeinsam mit dem Bund Interesse an einem Beitritt bekundeten; Digitalminister Dirk Schrödter sitzt im ZenDiS-Aufsichtsrat.
  • Der Bund ist bis heute alleiniger Gesellschafter von ZenDiS. Der Antrag für eine Länderbeteiligung liegt seit August 2024 bei Bundesfinanzministerium und Bundesrechnungshof (geprüft wird u. a. das Mischverwaltungsverbot); im April 2026 nannte die Bundesregierung keinen Zeitplan. Hintergrund → 4.4 · B.9
  • Ohne Beitritt ist der reguläre Bezug des Bundespakets für ein Land ohnehin erschwert.

6. Nicht verwechseln: drei verschiedene Dinge

  • dPhoenixSuite (Dataport): eingestellt, Federführung an ZenDiS übergeben – Sonderabschreibung 36,5 Mio. €, Gesamtverlust rund 90 Mio. €. Mehr → B.1
  • openDesk (ZenDiS): das Bundespaket, auf das Dataport seine bisherigen Phoenix-Kunden überführt hat – rund 100.000 Verwaltungsarbeitsplätze insgesamt (Stand Juli 2026).
  • SH-Landesverwaltung: der eigene, selbst integrierte Office-/Desktop-Stack.

Einordnung

Die populäre Zuspitzung „SH lehnt die integrierte Suite bewusst ab” lässt sich offiziell nicht belegen. Belegbar ist nur: SH startete früher, setzt strategisch auf Anbietervielfalt und ist (noch) kein ZenDiS-Mitglied. Das öffentliche Bild vermischt zudem zwei Ebenen – zentral gehostete Kollaboration (Dataport/openDesk) und die Desktop-Office-Migration, die SH selbst verantwortet. openDesk und der SH-Stack sind damit weniger Konkurrenten als zwei Wege aus demselben Open-Source-Baukasten.

Quellen (11)
Akteure & Verbindungen Finanzierung · Koordination · Blockaden · Netzwerke rund um openDesk
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